„Ob es Gott gibt …

… werde ich wissen, wenn ich am Ende meines Lebens bin“, sagt Pfarrer Thomas Frings. | Foto: Henning M. Schoon

Beitrag im „Tag des Herrn “ vom 24. März 2019 von Andreas Lesch.
Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung  des Autors.

Der Gottsucher

In seinem Buch „Aus, Amen, Ende? So kann ich nicht mehr Pfarrer sein“ hat Thomas Frings die Kirche kritisiert. Sein neues Buch ist persönlicher. Frings schreibt von seinem Glauben und seinen Zweifeln. Mutig, offen, lesenswert.

 

 

Sie schreiben: „Gott funktioniert nicht.“ Wie meinen Sie das?

Ich meine damit, dass Gott mir keine Garantien gibt. Wenn ich an Gott glaube, dann klappt nicht unbedingt alles in meinem Leben so zuverlässig, wie ich es mir manchmal wünschen würde. Gott ist auch kein Versicherungsagent, bei dem ich jahrelang eingezahlt habe und dann, in der Not, meinen Einsatz wieder herausbekomme. Auch mit Gott bleiben Ungereimtheiten.

Viele Menschen glauben aber, dass Gott in ihr Leben eingegriffen hat – etwa wenn sie von einer Krankheit geheilt worden sind. Warum halten Sie dieses Gottesbild für problematisch?

Natürlich darf jeder Mensch etwas, das ihm widerfahren ist, mit Gott in Verbindung bringen. Für falsch halte ich es aber, diese Verbindung für allgemeingültig zu erklären. Denn wenn Gott einen gläubigen Menschen von seiner Krankheit geheilt hat, was heißt das dann in all den Fällen, in denen ein Mensch trotz aller Gebete nicht gesund geworden ist? Hat Gott da nicht funktioniert? Diese Frage zeigt: Wer glaubt, dass Gott ganz konkret eingreift, der muss auch erklären können, warum er es so oft nicht tut, und darf sich nicht hinter dem Satz verstecken, dass das ein Geheimnis Gottes ist.

Gott ist für Sie also keiner, der im Alltag immer dann da ist, wenn man ihn gerade braucht?

Nein. Ich darf Gott nicht zum Lückenbüßer für die Lücke machen, die ich selber gerade nicht füllen kann. Und ich darf nicht sagen: Wenn er diese Lücke nicht füllt, dann hat er nicht funktioniert. Solange ich nicht in eine dauerhafte Beziehung mit Gott trete, werde ich mit Gott nicht zufrieden sein können.

Wie sollte diese Beziehung aussehen?

In meinem Buch erwähne ich die Don-Camillo-Filme, die mich in meiner Kindheit geprägt haben. Der Pfarrer Don Camillo hat eine wirklich intensive Beziehung mit diesem Gott. Er redet mit ihm, er diskutiert mit ihm. Er nimmt ihn ernst. Natürlich ist das auch mal mühselig. Aber so ist Gott eine reale Größe für ihn, in seinem Leben. So wird seine Beziehung zu Gott tragfähig.

Warum glauben Sie an Gott?

Weil ich bedürftig bin: erlösungsbedürftig, barmherzigkeitsbedürftig, liebesbedürftig.

Das müssen Sie erklären.

Erlösungsbedürftig bin ich, weil ich sterblich bin, wie alles auf dieser Welt. Mich lässt die Hoffnung glauben, dass das Leben hier mehr ist als Zufall. Dass es einen Gott gibt, der dahintersteht. Barmherzigkeitsbedürftig bin ich, weil ich Fehler mache, wie jeder Mensch, und manch ein Fehler lässt sich nicht wieder beheben. Ich hoffe auf einen Gott, der das heilt, was ich oder andere unheilbar kaputtgemacht haben. Und liebesbedürftig bin ich vom ersten bis zum letzten Moment meines Lebens. Kein Mensch kann aber so vollkommen lieben wie Gott. Kein Mensch kann die Liebe geben, die ein Mensch wirklich braucht.

Nun könnte ein Atheist sagen, Sie in Ihrer Bedürftigkeit glauben nur, weil Sie sonst das ganze irdische Jammertal nicht mehr aushalten könnten.

Wer das sagt, der kennt mein Leben nicht. Mein Leben ist kein Jammertal.

Aber die Welt manchmal.

Ich muss diese Welt aber ja mit meinem Glauben genauso aushalten. Sie wird dadurch keinen Deut besser. Ich glaube, Gott ist auch nicht dazu da, dieses Jammertal hier besser zu machen. Dafür sind wir nun wirklich selbst zuständig.

Sie schreiben, dass Sie ein suchender, ein zweifelnder Gläubiger sind. Das macht bestimmt vielen Laien Mut, die auch mal zweifeln. Von einem Priester würden manche solche Zweifel aber nicht erwarten.

Das kann ich verstehen. Ich möchte von einem Arzt ja auch, dass er kompetent ist und sich nicht wie ein Patient verhält. Und ich möchte von einem Professor, dass er sein Fach beherrscht und nicht wie ein Student dasitzt. Beim Glauben ist das allerdings anders. Denn das Objekt meines Glaubens ist ein nichtbeweisbares. Deshalb bleibe ich immer ein Suchender.

Wie beeinflusst das Suchen und Zweifeln Ihren Glauben?

Es beeinflusst ihn nicht, es ist mein Glaube. Ein Bestandteil meines Glaubens. Ohne das Suchen und das Zweifeln wäre mein Glaube nicht mehr mein Glaube.

Wenn Sie zweifeln, halten Sie es dann für denkbar, dass unser Glaube doch nur Fiktion ist?

Ja. Denn ich lebe mit vielen Menschen zusammen, die das auch tun. Als die beiden großen Kirchen flächendeckend eine Volkskirche waren, gab’s ja viel weniger Glaubenszweifel. Heute wird mein Glaube durch meine Umwelt viel stärker infrage gestellt als früher – und das hat Einfluss auf meinen Glauben. Ich muss mir viel mehr bewusst machen, dass alles auch anders sein könnte, als wir es glauben.

Wie leben Sie mit diesem Gedanken?

Ich finde ihn spannend. Ob es Gott wirklich gibt, werde ich erst wissen, wenn ich am Ende meines Lebens bin. Aber dann will ich so gelebt haben, dass mein Leben auch dann gut war, wenn es keinen Gott gab. Mir bringt der Glaube einfach einen Mehrwert. Mein Leben hat durch meinen Glauben mehr Sinn, mehr Innerlichkeit, mehr Tiefe, mehr Hoffnung.

Das ist eine Menge.

Das will ich wohl meinen.

Interview: Andreas Lesch

 

ZUR PERSON

Thomas Frings wurde 1987 zum Priester geweiht. Er arbeitete als Pfarrer und hatte diverse weitere Aufgaben im Bistum Münster. 2016 gab er all seine Ämter auf und zog in ein Benediktinerkloster in den Niederlanden. 2017 kehrte er in den Dienst des Bistums Münster zurück. 2018 wechselte Frings als Pfarrvikar nach Köln.

 

Andreas Lesch ist Chef vom Dienst der Verlagsgruppe Bistumspresse in der Zentralredaktion.

Potsdam-Mittelmark

PASTORALER RAUM POTSDAM-MITTELMARK

Mit der Gründung des pastoralen Raumes Potsdam-Mittelmark beginnt die 3-jährige Entwicklungsphase mit dem Ziel eine neue Pfarrei, bestehend aus unseren bisherigen drei Pfarreien St. Peter und Paul, St. Antonius und St. Cäcilia zu gründen. Den Start in den pastoralen Raum feiern wir zusammen mit Erzbischof Dr. Heiner Koch in einer Heiligen Messe am Montag, 01.04.19 um 19:00 Uhr in der Kirche St. Peter und Paul. Herzliche Einladung an alle Gemeindemitglieder!

Der Pastorale Raum Potsdam-Mittelmark umfasst das Territorium der Pfarreien:
St. Peter und Paul, Potsdam
St. Antonius, Potsdam-Babelsberg
St. Cäcilia, Michendorf

Auf einer Fläche von 641 Quadratkilometern leben rund 11.226 Katholiken.

Im Pastoralen Raum gibt es 9 Gottesdienstorte:
St. Peter und Paul (Potsdam),
St. Josefskapelle (Potsdam),
Seniorenheim St. Franziskus (Potsdam),
Maria Meeresstern (Werder/Havel),
St. Antonius (Potsdam-Babelsberg),
St. Josef-Kapelle (Michendorf),
Kapelle im Kloster der Dominikanerinnen (Michendorf),
Kapelle im Haus Immaculata (Wilhelmshorst),
Kapelle im Alexianer Seniorenzentrum St. Elisabeth (Wilhelmshorst).

Orte kirchlichen Lebens:
Orden und geistliche Gemeinschaften:
– Säkularinstitut Ancillae
Auf dem Kiewitt 36, 14471 Potsdam
– Arenberger Dominikanerinnen, St. Norberthaus
Langerwischer Str. 27, 14552 Michendorf
– Mägde Mariens von der Unbefleckten Empfängnis der Allerseligsten Jungfrau Maria, Haus
Immaculata
Ravensbergweg 6, 14552 Michendorf/OT Wilhelmshorst

Kindertagesstätten:
– Kath. Kita St. Antonius
Plantagenstr. 22-23, 14482 Potsdam-Babelsberg
– Kath. Kita St. Peter und Paul
Allee nach Sanssouci 8, 14471 Potsdam

Katholische Schulen:
– Kath. Marienschule Potsdam
Grundschule, Gymnasium
Domstr. 14, 14482 Potsdam

Überdiözesanes, Verbände und Gruppen:
– DPSG-Bildungshaus St. Georg
Langerwischer Str. 27, 14552 Michendorf
– Zentrum für katholische Stadtkirchen- und Hochschularbeit
Hegelallee 55, 14467 Potsdam
– Studentengemeinde Philipp Neri
im Zentrum für katholische Stadtkirchen- und Hochschularbeit
Hegelallee 55, 14467 Potsdam
– Gemeinschaft der Vinzenzkonferenzen, Region Ost
Bergholzer Str. 3, 14473 Potsdam
Karitative Einrichtungen u. a.:
– Malteser Hilfsdienst e.V., Stadtgeschäftsstelle Potsdam
Demenzarbeit, Besuchsdienst, Schulsanitätsdienst
Alt-Nowawes 67, 14482 Potsdam
– St. Josefs-Krankenhaus (Alexianer GmbH)
Allee nach Sanssouci 7, 14471 Potsdam
– Haus St. Norbert, Wohnen für Menschen mit geistiger Behinderung (Deutscher Orden)
Langerwischer Str. 27, 14552 Michendorf
– Seniorenzentrum St. Elisabeth (Alexianer GmbH)
Ravensbergweg 7-11, 14552 Wilhelmshorst
– Seniorenpflegeheim St. Franziskus (Alexianer GmbH)
Kiepenheuerallee 21, 14469 Potsdam
– St. Josef Sozialstation (Alexianer GmbH)
Ziolkowskistr. 1, 14480 Potsdam
– Caritas Betreuungsverein mit Beratungsstelle für ehrenamtliche Betreuer
Berliner Str. 49, 14467 Potsdam
– Caritas Beratungsstelle, Allgemeine Soz. Beratung, Erziehungs- und Familienberatung,
Schwangerschaftsberatung
Plantagenstr. 22-23, 14482 Potsdam
– Caritas Familienzentrum Michendorf
Langerwischer Straße 27a, 14552 Michendorf

Quelle und Link: www.ErzbistumBerlin.de