Gehen Sie wählen! 1.9.

 Stefan Förner Pressesprecher

Erzbischof Heiner Koch und Bischof Markus Dröge zur Landtagswahl in Brandenburg

Zur Landtagswahl in Brandenburg am 1. September 2019 rufen Erzbischof Heiner Koch und Bischof Markus Dröge alle wahlberechtigten Brandenburgerinnen und Brandenburger auf, wählen zu gehen. Der Aufruf wird zum „Gespräch über die Zukunft Brandenburgs“ am 22. August 2019, 18:00–20:00 Uhr in der Potsdamer Wilhelmgalerie (Platz der Einheit, 14467 Potsdam), zu dem die Kirchen einladen, veröffentlicht. Das Gespräch wird live auf hauptstadt.tv übertragen. Der Aufruf wird außerdem in den Sonntags-Gottesdiensten in Brandenburg am kommenden Wochenende verlesen.

Der Aufruf lautet im Wortlaut:

„Am 1. September 2019 wird in Brandenburg der Landtag neu gewählt. Wir rufen alle wahlberechtigten Brandenburgerinnen und Brandenburger auf, wählen zu gehen.

Eine hohe Wahlbeteiligung und damit eine breite politische Meinungsäußerung sind wichtig. Sie stärken den Zusammenhalt der Gesellschaft, die die Auseinandersetzung um den besten Weg braucht. Und sie halten die demokratische Kultur lebendig, die darauf angewiesen ist, dass Menschen sich engagieren und einbringen. Das Grundgesetz und der christliche Glaube an Gott den Schöpfer aller Menschen fordern, jedem Menschen, gleich welcher Herkunft, kulturellen Prägung oder Religion, eine unveräußerliche Würde zuzuerkennen. Daraus ergibt sich die Verpflichtung zu einem wertschätzenden und achtsamen Miteinander in unserer Gesellschaft, das Menschen in allen Lebensphasen von der Zeugung bis zum Lebensende und in allen Lebenslagen in den Blick nimmt.

Aus dieser Grundhaltung erwächst eine Offenheit und Hilfsbereitschaft für Menschen in Not, ohne die ein solidarisches Gemeinwesen und eine lebenswerte Gesellschaft nicht vorstellbar sind.

Prüfen Sie vor der Wahl, wie die Parteien die Verantwortung für den nötigen Klimaschutz, für nachhaltigere Lebensmodelle, für gute Lebensbedingungen im ländlichen Raum, für ein respektvolles und faires Miteinander und für den sozialen Ausgleich wahrnehmen wollen.

Wir bitten Sie: Stärken Sie mit Ihrer Stimme diejenigen Parteien, die für die weitere Ausgestaltung der freiheitlich-demokratische Grundordnung in Brandenburg eintreten, die Grundrechte unserer Verfassung stärken und die einer Spaltung unserer Gesellschaft durch Hass, rassistische Hetze und Ressentiments entgegentreten.

In der Bibel heißt es: ‚Suchet der Stadt Bestes und betet für sie zu Gott, denn wenn es ihr wohl geht, so geht´s auch euch wohl!‘ (Jeremia 29, 7). Bitte tun Sie das: Gehen Sie wählen, stimmen Sie ab, stimmen Sie mit!

Beauftragungsfeier 31.8.

Foto: Theresia Härtel, Judith Lübker, Benedikt Zimmermann

Stefan Förner Pressesprecher

 

Am Samstag, 31. August 2019, 14.00 Uhr werden Theresia Härtel und Benedikt Zimmermann als Pastoralreferentin und Pastoralreferent, sowie Judith Lübker als Gemeindereferentin in einem feierlichen Gottesdienst durch Generalvikar P. Manfred Kollig SSCC in der Kirche Salvator in Berlin-Lichtenrade zu ihrem Dienst im Erzbistum Berlin beauftragt.

Theresia Härtel ist 27 Jahre alt und in der Pfarrei St. Martin, Berlin-Kaulsdorf, aufgewachsen. Dort war sie in der Kinder- und Jugendarbeit ehrenamtlich engagiert. Nach ihrem Studium der Germanistik und Theologie in Erfurt war Frau Härtel als Pastoralassistentin zunächst im Pastoralen Raum Berlin Lichtenrade/Buckow/Mariendorf/Tempelhof und in der Ikarus-Grundschule tätig, ab 2018 im Pastoralen Raum Treptow-Köpenick mit dem Schwerpunkt Aufbau der Studierendenseelsorge am Campus Oberschöneweide.

Zu Ihrer Berufung sagt sie: „Von frühester Kindheit an konnte ich in meiner Heimatgemeinde die Freude über die religiöse Gemeinschaft und den Glauben leben, was scheinbar beinahe im Widerspruch zu meinem Alltag an einer staatlichen Schule stand. Trotzdem war ich überzeugt in meiner Gemeinde aktiv, begann mich intensiv mit den Gründen dafür zu beschäftigen. Das war eine der Grundlagen für mein Studium in Erfurt. Während meines Studiums engagierte ich mich weiterhin aktiv in vielfältigen Gremien und Gruppen, sodass ich nicht nur theologisch mein Wissen vermehren, sondern auch meine Erfahrungen und Kompetenzen erweitern konnte. Zum Ende meines Studiums war mir ganz klar, dass mein Weg, meine Berufung, in genau diese Richtung führt.“

Benedikt Zimmermann ist 46 Jahre alt. Er ist in Koblenz aufgewachsen und hat zunächst Katholische Religion und Politik mit dem Ziel Lehramt studiert. Da sich sein Wunsch verstärkte in der Pastoral tätig zu werden, studierte er Theologie. Im gleichen Jahr begann er das Postulat bei den Pallottinern. 2011 entschied er sich nicht weiter im Orden zu leben. Seit 2015 war er im Erzbistum Berlin tätig, zunächst als Religionslehrer und als pastoraler Mitarbeiter in dem Projekt „Caritas rund um den Kirchturm“. 2017 begann er die verkürzte Assistenzzeit zunächst in den Pfarreien in Reinickendorf-Süd; seit 2018 ist er tätig im Pastoralen Raum Berlin Lichtenrade/Buckow/Mariendorf/Tempelhof mit Schwerpunkt Jugendarbeit. Nach seiner Wahl zur geistlichen Leitung des BDKJ ist er seit diesem Jahr auch in diesem Aufgabenfeld tätig.

Herr Zimmermann beschreibt seine Beweggründe: „Die Liebe Christi drängt uns!“ (2 Kor 5,14) Im Vertrauen auf die unendliche Liebe Gottes, freue ich mich den Weg mit den Menschen in unserem Erzbistum als Pastoralreferent gehen zu können. Dankbar für alle Begleitung und Unterstützung darf ich nun mit Menschen unterwegs sein. In der Freiheit der Kinder Gottes die Einmaligkeit jedes Einzelnen zu erkennen, leitet mich in dieser Arbeit. Begeistert und geprägt vom Geiste Vinzenz Pallottis, freue ich mich auf die gemeinsamen Wege und Zeiten mit Jugendlichen, mit den Jugendverbänden im BDKJ und allen Menschen, die mir begegnen werden. Die Liebe Christi drängt mich zu den Menschen, damit wir gemeinsam Kirche der Zukunft sein können.“

Judith Lübker ist 37 Jahre alt, verheiratet und Mutter zweier Kinder. Nach dem Abitur studierte sie Musik- und Kulturwissenschaften (MA). Durch ihre Mitarbeit in der Katholischen Hochschulgemeinde in Karlsruhe angeregt, begann sie das theologische Studium über Theologie im Fernkurs. Durch berufliche Veränderungen ihres Mannes kam die Familie ins Erzbistum Berlin. Mit Unterbrechung durch die Elternzeit absolvierte sie zunächst das Praktische Jahr ab 2013 in der Pfarrei Heilige Dreifaltigkeit in Stralsund und ist seit 2015 als Gemeindeassistentin in den Pfarreien St. Nikolaus, Blankenfelde und Mariä Unbefleckte Empfängnis, Zossen, tätig. Ihr Schwerpunkt liegt in der Arbeit mit Familien und Kindern.

Zu Ihrer Berufung schreibt Frau Lübker: „Denn ich bin gewiss: Nichts kann uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.Römer 8,38.39 Von dieser biblischen Aussage bin ich aus tiefstem Herzen überzeugt und diesen Glauben möchte ich teilen, ins Gespräch bringen und in Gemeinschaft feiern. Ich habe immer wieder gespürt, dass ich im Engagement in Kirche und Gemeinde mich, meine Überzeugungen und Begabungen am besten einbringen kann. Deshalb habe ich mich entschlossen, dies zu meinem Beruf zu machen und mich zum Dienst als Gemeindereferentin beauftragen zu lassen.“

Derzeit studieren neun Männer und Frauen Theologie mit dem Berufsziel Pastoralreferent und elf Frauen und Männer Religionspädagogik mit dem Berufsziel Gemeindereferent. Weitere sieben Männer und Frauen sind noch in der Berufseinführung als Pastoralassistent bzw. Gemeindeassistent. Über Bewerbungen von Männern und Frauen, die aus ihrem Glauben heraus hauptberuflich pastoral tätig werden wollen und Interesse an einem entsprechenden Studium haben, würden wir uns sehr freuen.

Priester ehelos?

Müssen katholische Priester ehelos leben? Das wird gerade sehr kontrovers diskutiert. Der Priester und Kirchengeschichtler Hubert Wolf hat dazu in seinem neuen Buch eine feste Meinung – und untermauert seine Thesen historisch.

Titelbild: Hubert Wolf ist ein renommierter Kirchenhistoriker und lehrt an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster. Foto: kna/Andreas Kühlken

Beitrag aus dem „Tag des Herrn“ vom 21.7.2019 von Susanne Haverkamp

Nicht mehr stichhaltig

Er kann es einfach. Hubert Wolf kann so schreiben, dass es wissenschaftlich präzise ist und zugleich gut lesbar und verständlich für jeden, der sich auf die Thematik einlässt. Populärwissenschaftlich nennt man das, was anderen oft
missrät: entweder zu populär oder zu wissenschaftlich. Aber
Hubert Wolf kann es einfach.
In seinem frisch erschienenen Buch hat sich der Münsteraner Professor für Kirchengeschichte den priesterlichen Pflichtzölibat vorgenommen. In 16 Thesen legt er die Geschichte dieses Ideals vor und zieht seine Schlussfolgerungen daraus.
Im Prinzip schreibt Wolf wenig Neues. Dass etwa im Neuen
Testament Amtsträger verheiratet waren, ist kein Geheimnis. Im
1. Timotheusbrief (3,3–5) heißt es, wer Bischof werden will, dürfe
„nur einmal verheiratet sein“ und müsse „seine Kinder in Gehorsam und allem Anstand erziehen. Wenn einer seinem eigenen Haus
nicht vorstehen kann, wie soll der für die Kirche Gottes sorgen?“.
Dass es dennoch früh ein Zölibatsideal gab, sieht Wolf vor allem
durch die antike Vorstellung von kultischer Reinheit begründet. „Wer den heiligen Leib Christi und den Kelch mit seinem kostbaren
Blut anfasst, der kann dies nur wie Christus im Abendmahlssaal
mit heiligen und ehrwürdigen Händen tun“, schreibt Wolf. Und
als Hauptquelle der Unreinheit werde die Sexualität angesehen
– obwohl für Jesus Reinheit keine äußerliche Frage, sondern „eine
Frage der Herzensgesinnung“ gewesen sei.

Die früheren Gründe überzeugen nicht mehr

Ausführlich geht Wolf auf die ökonomischen Gründe für die
Einführung des Pflichtzölibats für Weltpriester ein: Sie sollten
die Pfründe, die sie als Pfarrer zum Lebensunterhalt hatten,
nicht an Kinder vererben. Durch „Priesterkinder als reiche Erben“
sei die Kirche zunehmend verarmt, klagte Papst Benedikt VIII.
1022 auf der Synode von Pavia. Mochte damals stimmen, aber,
so Wolf: „Die zentrale Besoldung der Pfarrer aus der Kirchensteuer
in Deutschland und die Tatsache, dass heutzutage die meisten Pfarreien über gar keine Pfründe mehr verfügen, machen diese
einstmals zentrale Begründung schlicht obsolet.“

Wolf beschreibt, wie der Pflichtzölibat lange eher Theorie
als Praxis war. Erst nach der Reformation, im Zeitalter der Konfessionalisierung, sei er eingeschärft worden, weil er zum Unterscheidungskriterium wurde.
Dass die genannten Gründe theologisch nicht (mehr) stichhaltig sind, das wüssten auch die Päpste, sagt Wolf. Um ihn in den diskussionsfreudigen Zeiten rund um das Zweite Vatikanische Konzil dennoch zu halten, habe
Papst Paul VI. ihn „spirituell überhöht“. Einswerden mit Christus, sich ganz der Mutter Kirche weihen und Zeichen sein für das kommende Reich Gottes – das
seien die drei geistlichen Gründe, die er ins Feld führt und die seitdem oft wiederholt werden.

Verheiratete Priester
gibt es jetzt schon

Hubert Wolf lässt dagegen keinen Zweifel daran, dass er sich eine katholische Kirche mit verheirateten Priestern gut vorstellen kann. Und weist darauf hin, dass es sie auch schon gibt: konvertierte evangelische, altkatholische und anglikanische Pfarrer
zum Beispiel oder ausgeliehene Priester aus den unierten Ostkirchen. „Und nirgendwo gibt es Beschwerden der Gemeinden“, sagt er. Im Gegenteil: viele freuten sich über einen Seelsorger, der den Familienalltag kennt.
Wolf geht mit dem Blick des Historikers an das Thema heran.
Erst in den abschließenden Kapiteln nimmt er kurz andere Fragen
in den Blick: den Einfluss des Zölibats auf die Missbrauchsfälle, die
Güterabwägung zwischen „der heilsnotwendigen Eucharistie
und dem nicht heilsnotwendigen Zölibat“, die Machtfrage.
Fest steht: Wer in Zukunft sachlich über den Zölibat diskutieren
möchte, kommt an diesem Buch kaum vorbei.

Mit freundlicher Genehmigung der Autorin Susanne Haverkamp.

Beitrag aus dem „Tag des Herrn“ vom 21.7.2019 von Susanne Haverkamp