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Wie Katholiken wirken

Foto: Michael Bönte/Valerie und der Priester

Die Journalistin Valerie Schönian wollte wissen: Was macht die katholische Kirche aus? Wie ticken die Gläubigen? Warum wird jemand Priester? Ein Jahr
lang begleitete sie einen Kaplan. Ihre Erlebnisse hat sie in ein Buch gepackt.

Von Kerstin Ostendorf / Katholische Wochenzeitung:Tag des Herrn

Ihr Anspruch war, ihn zu verstehen: Warum verzichtet jemand auf Familie und eine berufliche Karriere, um sich ganz in den Dienst Gottes und der Kirche zu stellen? Ein Jahr lang, von April 2016 bis Mai 2017, hat Schönian den Münsteraner Kaplan Franziskus von Boeselager begleitet. Ist sie heute schlauer?
Ihre Erlebnisse, die sie regelmäßig in dem Internetblog „Valerie und der Priester“ veröffentlicht hat, gibt es nun als Buch. Der Titel: „Halleluja. Wie ich versuchte, die katholische Kirche zu verstehen“. Die Journalistin Schönian reflektiert darin das Jahr mit Franziskus von Boeselager zusammen, lässt ihre Reise zum Weltjugendtag nach Krakau Revue passieren, hält Rückschau auf die Tage in Rom, die vielen Gespräche mit dem Priester in Münster-Roxel, die Begegnung mit seinen Eltern, von Boeselagers Besuch bei ihr in Berlin.
Links, feministisch und kirchenfern: Eine solche Journalistin hatte das Zentrum für Berufungspastoral der Deutschen Bischofskonferenz für das Internetprojekt gesucht – und Schönian gefunden. Sie wuchs in Magdeburg auf und hat mit Kirche nichts am Hut. Sie wurde evangelisch getauft, konfirmiert, besuchte ein katholisches Gymnasium, aber vor allem weil es ein gutes Gymnasium war, und spielte einen Hirten im Krippenspiel – das war’s. „Es ist bei mir und anderen in meinem Umfeld nicht mal so, dass wir die Kirche ablehnen. Sie ist einfach kein Thema“, sagt sie. Franziskus von Boeselager ist ihr Gegenstück: katholisch aufgewachsen, Gottesdienstbesuche am Sonntag, Bibellektüre mit der Familie am Abend.

Manchmal stand das ganze Projekt ernsthaft auf der Kippe

Beim Lesen des Buches wird deutlich: Hier sind zwei Welten aufeinandergeprallt, und das sorgte, wie Schönian schreibt, bei ihr für so manches Schleudertrauma – hin- und hergerissen zwischen ihrer kirchenkritischen Welt und den Menschen, die sie in Roxel kennengelernt hat. „Entweder du wirst katholisch oder er ist nicht länger Priester“, musste sich Schönian zu Beginn des Projekts häufig anhören. Weder das eine noch das andere ist passiert – so viel darf verraten werden. Aber: Der ständige Kontakt zu einem Priester und zu den Menschen in der Gemeinde hat sie verändert. Sie hat sich berühren lassen, hat ihre journalistische Distanz fallen lassen. Sie fühlte sich in der Gemeinde angenommen, aber zugleich von der katholischen Moral überfordert. Schnell kamen die katholischen Streitthemen zwischen ihr und von Boeselager auf den Tisch: Sexualmoral, Rolle der Frau, Zulassung zur Eucharistie, Gendertheorie. Schönian wurde wütend, emotional. Von Boeselagers Antworten, die er aus seinem Glauben zieht, empfand sie als Totschlagargumente, bei denen es nur zwei Möglichkeiten gibt: streiten oder die Meinungen stehenlassen. Manchmal stand das Projekt auf der Kippe, doch beide wollten durchhalten. Sie wollten sich verstehen.

Diese Gläubigen können ja schließlich nicht alle Spinner sein

Das Buch zu lesen, ist ein Spaß. Es ist leicht und locker geschrieben, immer wieder muss man als Leser schmunzeln. Schönian hält uns Katholiken den Spiegel vor: Ah, so wirken wir auf andere. Im Großen und Ganzen kommen wir dabei aber gut weg. Die Nähe zu den Menschen in Roxel ist das Fundament für Schönians Verständnis. „Die können doch nicht alle Spinner sein“, schreibt sie. Sie erlaubt uns einen Einblick in ihre Gedanken- und Gefühlswelt, in das Auf und Ab mit dem Priester an ihrer Seite.
Im Laufe des Jahres tritt sie aus der evangelischen Kirche aus – doch der Gedanke, wie es wäre, an Gott zu glauben, lässt sie auch in den Monaten nach dem Projekt nicht völlig los. „Manchmal denke ich, ich glaube, manchmal wieder, ich kann nicht. Also: vielleicht.“