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Heute hat sich erfüllt

3. Sonntag i. Jk. – C – 2019
Predigt Pfarrer i. R. Richard Ruprecht

Heute hat sich das Schriftwort, das ihr eben gehört habt, erfüllt
(Lk 1,14-21)

Auf der Fahrt nach Riewend zur Fazenda da Esperanca (Hof der Hoffnung) für Frauen, komme ich durch Päwesin bei Nauen. In diesem Dorf ist ein Buddhistenkloster. Mönche und Nonnen in orangen Kleidern gehen ihrer Arbeit nach, halten Meditationskurse und pflegen Begegnungen, u.a. durch ein vielbesuchtes Kaffee mitten im Ort. Auch die Fazenda pflegt den Kontakt zu den Buddhisten. Solche Klöster gibt es inzwischen mehrere in Deutschland und eben auch in Päwesin.

Wir sind kein homogenes christliches Abendland mehr. Wir leben in unmittelbarem Kontakt mit anderen Religionen und Weltanschauungen. In Cottbus wurde aus einer evangelischen Kirche eine Synagoge. Moscheen gibt es viele in den Großstädten unseres Landes. Zeichen der Globalisierung, die wir nicht verhindern können, ob wir sie wollen oder nicht, sie ist einfach gegeben. Das macht das Leben interessant, ist aber auch mit vielen Spannungen und mit religiöser Verunsicherung verbunden.

Gefordert und immer wieder betont wird deshalb Toleranz. Die Anerkennung, dass andere Menschen aus anderen Kulturen anders leben und auch anders glauben, wenn sie glauben. Es gibt viele Bemühungen, in Gesprächen und Begegnungen die Art des Denkens und Glaubens und Lebens der anderen kennenzulernen und zu würdigen. Besonders als Kirchen stellen wir uns diesem Bemühen. Nicht mehr die Abwehr, sondern Wertschätzung bestimmen unsere Haltung. Das 2. Vaticanische Konzil bringt dies in besonderer Weise im Dokument „Über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen“ zum Ausdruck. So heißt es dort im Vorwort: „Alle Völker sind eine einzige Gemeinschaft. Sie haben auch ein und dasselbe Ziel: Gott. Seine Heilsratschlüsse erstrecken sich auf alle Menschen.“

Diese Haltung der Wertschätzung und Toleranz bringt für uns Christen freilich auch eine gewisse Unsicherheit mit sich, eine mögliche Relativierung unserer christlichen Religion. Diese kommt zum Ausdruck in so plakativen Redewendungen wie „es glauben schließlich alle an einen Gott“ oder „jeder soll nach seiner Facon glauben und selig werden“. Alle Religionen gelten so als gleichrangig. Keine kann bei dieser Denkweise mit zwingendem und alleinigen Wahrheitsanspruch auftreten. Deshalb ergibt sich für uns die Frage: Gibt es bei dieser Sicht der anderen Religionen überhaupt noch einen Grund, unverzichtbar am christlichen Glauben festzuhalten, mit welcher Begründung?

Das 2. Vaticanum ist der Überzeugung, dass es notwendig und möglich ist, andere Glaubensüberzeugungen, so sie ehrlich vertreten werden, anzuerkennen und dennoch dem eigenen christlichen Glauben einen unverzichtbaren Platz im Leben einzuräumen. Entscheidend ist, dass wir an Jesus Christus glauben, in dem und durch den sich Gott in einzigartiger Weise geoffenbart hat. Jesus Christus ist unvergleichbar mit anderen historischen Persönlichkeiten, weil er – wie wir ihn aus den Evangelien kennen – absolut glaubwürdig ist in seinem Reden und Tun. Er zeigt uns im Gebot der Gottes- und Nächstenliebe einen Weg, wie wir dieses Leben meistern können und durch die Auferstehung im Leben bei Gott eine sichere Hoffnung haben. Das heutige Evangelium bringt diese Einmaligkeit zum Ausdruck, wenn Jesus in Erinnerung an die prophetischen Verheißungen spricht: „Der Geist (Gottes) des Herrn ruht auf mir.; denn er hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe.“ So ist Jesus für uns der Weg, die Wahrheit und das Leben. Hierin besteht unser christliches Proprium und unser Selbstbewußtsein.

Diese eindeutige Entscheidung für unseren Glaubensweg mit Christus schließt – wie schon gesagt – die Wertschätzung anderer ehrlicher Glaubensüberzeugungen nicht aus und die Zuversicht, dass Menschen auch auf anderen Wegen, wenn sie ihrem Gewissen folgen, ihr Ziel in Gott erreichen. In welcher Weise Christus auch für sie Mittler beim Vater ist, wissen wir nicht. Aber wir dürfen vertrauen: „Seine Heilsratschlüsse erstrecken sich auf alle Menschen“ – wie das Konzil sagt.

Wenn es so ist, ist dann Mission noch angebracht? Ja. Wenn wir Mission nicht als „Agitation und Propaganda“ verstehen, sondern als Einladung an die Menschen, teilzuhaben an der beglückenden Kenntnis Jesu Christi und der Hoffnung, die uns in seiner Nachfolge geschenkt ist, dann ist Mission ein Segen für die Menschen. Es ist die Realisierung dessen, was das heutige Evangelium sagt, „ein Gnadenjahr des Herrn auszurufen.“

Amen.

Im Kleinsten ist Gott groß

Predigt am 14. Sonntag im Jahreskreis B
8. Juli 2018

Im Kleinsten ist Gott groß

Schwierigkeiten Jesu mit seiner Heimat kommen in drei unterschiedlichen Versionen in drei Evangelien vor.
Nur bei Johannes gibt es diese Problemgeschichte nicht, sie wird in seinem Evangelium auf einen einzigen Satz zusammengefasst: „Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf“. Dafür gibt es bei Johannes eine Notiz am Anfang, die noch viel verheerender wirkt: Im Kleinsten ist Gott groß weiterlesen