Archiv der Kategorie: Tag des Herrn

Die neue Normalität

13.05.2020 Beitrag im Tag des Herrn von Andreas Lesch
Lockerungen in der Coronakrise

Es geht um alle

Wochenlang war unser Leben wegen des Coronavirus stark eingeschränkt. Jetzt wird nach und nach wieder mehr erlaubt. Wenn die neue Normalität funktionieren soll, werden wir uns auf Werte besinnen müssen. Auf Vertrauen und Vergebung, Gemeinsinn und Geduld.

Was wir gerade erleben, ist ein gesellschaftliches Experiment, das es so noch nie gegeben hat: Jeder kann dazu beitragen, dass es gelingt – oder eben nicht. Deutschland hat die erste Phase der Corona-Pandemie überstanden, die Politik lockert die Einschränkungen in unserem Leben. Geschäfte und Restaurants öffnen wieder, Kinder kehren in Schulen und Kitas zurück, Gottesdienste werden wieder gefeiert. Alles reglementiert, aber immerhin. Die Lockerungen bedeuten Freude und Erleichterung, aber sie sind auch riskant: Jederzeit droht eine zweite Infektionswelle.
Die neue Normalität wird nur funktionieren und die gerade zurückgewonnenen Freiheiten werden nur von Dauer sein können, wenn wir uns alle auf Werte besinnen. Auf Werte, die auch uns Christen wichtig sind: Vertrauen und Vergebung, Gemeinsinn und Geduld.

Die Bürger werden den Wissenschaftlern vertrauen müssen, die unter Hochdruck das Coronavirus erforschen und immer neue Erkenntnisse verarbeiten – was zwangsläufig dazu führt, dass sich ihre Positionen ändern und auch mal widersprechen. Vertrauen müssen sie auch den Politikern, die aus der Forschung Entscheidungen ableiten, hoffentlich nach bestem Wissen und Gewissen.

Vergeben werden viele müssen: Eltern ihren meckernden Kindern, Supermarktkunden der gestressten Kassiererin, Chefs den auch mal unkonzentrierten Mitarbeitern – weil alle in dieser Ausnahmesituation überfordert sind, Fehler machen, dazulernen.

Muss ich sofort alles tun, was ich wieder darf?

Jeder sollte sich bewusstmachen, dass es gerade nicht nur um ihn geht, sondern um alle. Jeder kann sich fragen, wo er sich zurücknehmen und anderen den Vortritt lassen kann: Hat vielleicht jemand anderes die ersten Friseurtermine, die Reservierung im Restaurant, den Platz im Gottesdienst nötiger als ich? Riskiere ich durch mein Verhalten womöglich zu viel, für mich, für meine Angehörigen, für die Gesellschaft? Muss ich sofort alles tun, was ich wieder darf? Sind meine Vorsicht und meine Rücksicht nicht gerade jetzt, in der allgemeinen Aufregung, besonders gefragt?

Zuletzt haben sich in Deutschland berechtigter Frust und absurdes Luxusgejammer gefährlich gemischt: Viele fürchteten um ihre Existenz, andere beklagten es schon als Freiheitsberaubung, dass sie ein paar Wochen nicht bei ihrem Lieblingsitaliener speisen konnten. Klar ist: Wir werden bis zum Ende der Pandemie noch viele Zumutungen und Unsicherheiten aushalten und viel Geduld haben müssen – bis hin zur erlösenden Antwort auf die Frage, wann es einen Impfstoff geben wird, der das Virus besiegt. Am besten können wir den Weg zu diesem Ziel gemeinsam bewältigen. Jeder trägt dabei Verantwortung, jeder ist systemrelevant, auf seine Art, an seinem Ort.

Andreas Lesch

Quelle und Link: www.Tag-des-Herrn.de

Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung des Autors

Evolutionstheorie kontra Erbsündenlehre?

Bild: Sündenfall und Vertreibung aus dem Paradies, Michelangelo (1475-1564)

Leseranfrage, veröffentlicht im Tag des Herrn am 2.2.2020

Wieso heißt es, dass Jesus uns von der Erbsünde befreit hat, wenn doch evolutionswissenschaftlich bewiesen ist, dass es Eva, Adam und den Sündenfall nicht gab?

Ihre Frage berührt ein grundsätzliches Problem, das in Diskussionen oft auftaucht: Wie kann man religiöse Glaubensaussagen mit naturwissenschaftlichen Aussagen in Einklang bringen?

Kurz und knapp: gar nicht. Man kann nur beide Aussagen nebeneinander stehenlassen und zugeben, dass sie in unterschiedlicher Art wahr sind. Nehmen wir die Schöpfung in sieben Tagen aus dem  Buch Genesis. Naturwissenschaftlich ist das Unsinn – Milliarden Jahre sind ein besserer Zeitansatz, und wer mehr darüber wissen möchte, sollte einen Astrophysiker fragen. Oder einen Evolutionsbiologen.

Kein Unsinn hingegen ist der Glaube, dass Gottes Geist von allem Anbeginn – wann auch immer der war – dabei war und dabei bleibt. Das ist eine religiöse Wahrheit, der man glauben und vertrauen kann – auch als Naturwissenschaftler.

Nicht anders verhält es sich mit Adam, Eva und der Erbsündenerzählung.   Der Mensch stammt naturwissenschaftlich betrachtet nicht von Adam und Eva ab, sondern von primitiven Zellen, die vor Milliarden Jahren der Anfang allen Lebens waren.

Der Erbsündenlehre geht es um etwas Anderes: um die tägliche Erfahrung, dass der Mensch nicht grundlegend gut ist, dass jeder Mensch – Sie und ich – Böses, Egoistisches, Zerstörerisches in sich trägt. Viele Menschen kämpfen dagegen an, damit das Gute überhand gewinnt, aber wir sind nicht hundert Prozent gut, leider nicht. Dieser Stachel des Bösen – das ist eine ewige Wahrheit in der Menschheitsgeschichte und quasi erblich.

Wenn aber wir alle Böses in uns tragen: Wie können wir dann gerettet werden? Darauf antwortet die kirchliche Lehre, die Sie ansprechen. Der Mensch kann gerettet werden, weil Gott ihn so sehr liebt, dass er selbst Mensch geworden ist und in Jesus die Schuld der Welt auf sich genommen hat. Wer an Jesus glaubt und ihm folgt im Wort und in der Tat, der kann das Heil erlangen.

Das ist eine religiöse Überzeugung, eine Art der Wahrheit, die mit Adam, Eva und der Evolutionstheorie nichts wirklich zu tun hat.

Susanne Haverkamp

Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung der Autorin
Quelle und Link: www.Tag-des-Herrn.de 

Lächelnd sterben

Beitrag im Tag des Herrn vom 2.2.2020
VON MARLILIS KURZ-LUNKENBEIN

Der greise Simeon ist sicher: Nun kann er in Frieden scheiden. In Frieden zu sterben, das wünscht sich wohl jeder. Aber wie kann das gelingen? Was braucht man dafür? Ein Gespräch mit dem  Augsburger Hospizseelsorger Armin Zürn.

Die Hoffnung stirbt zuletzt. Bis zum Schluss hatte die alte Bäuerin
gehofft, zu Hause sterben zu können. Als sie nach sechs Wochen in
der Klinik um 3 Uhr nachts für immer die Augen schließt, kann die
90-Jährige dennoch in Frieden gehen – weil sie sich vorher in aller Ruhe verabschiedet hatte. Auf ihr Ende war sie gut vorbereitet.
Beide Töchter waren abwechselnd bei ihr am Krankenbett,
hatten ihre Hand gehalten, mit ihr gebetet und das Leben Revue
passieren lassen. Der Schwiegertochter hatte sie noch das Rezept für ihre berühmte Sonntagssuppe mitgegeben („Nicht zu viel Ei in die Markklößchen“), dem Sohn und Hoferben die Fürsorge für die Pächter der Landwirtschaft ans Herz gelegt („Leben und leben lassen“). Am Sonntagmorgen hat sie den Gottesdienst im Fernsehen verfolgt und später den jüngsten Enkel mit einem Kreuzzeichen auf der Stirn verabschiedet, so wie zuhause, wenn er morgens zur Schule ging. Dann war sie gestorben. Sieht so ein Scheiden in Frieden aus? >weiterlesen

Mit freundlicher Genehmigung des Tag des Herrn Katholische Wochenzeitung für das Erzbistum Berlin und die Bistümer Dresden-Meißen, Erfurt Görlitz und Magdeburg

Quelle und Link: www.Tag-des-Herrn.de