… eine andere Welt

Neokatechumenales Priesterseminar Berlin

Einblicke in eine andere Welt

Die Gemeinschaft des Neokatechumenalen Weges bildet ihre Priester in eigenen Seminaren aus. Über 100 gibt es weltweit, eines davon in Berlin-Biesdorf. Maximilian Hofmann bereitet sich dort auf den Priesterberuf vor.

Ein- und Zweifamilienhäuser mit großen Gärten reihen sich aneinander. In Biesdorf und den beiden benachbarten Berliner Ortsteilen Kaulsdorf und Mahlsdorf befindet sich Deutschlands größtes zusammenhängendes Gebiet mit derartigen Wohngebäuden. Mittendrin ein Haus, das aus dem Rahmen fällt. „Priesterseminar Redemptoris Mater des Erzbistums Berlin“ steht auf der großen goldfarbenen Tafel am Eingang. Junge Männer aus aller Welt bereiten sich hier auf den Priesterberuf vor. Einmal im Jahr gibt es einen „Tag der offenen Tür“.
Junge Männer im weißen oder im Kollarhemd stehen am Eingang und begrüßen die Besucher – auf Deutsch, auch wenn das die Muttersprache der Wenigsten ist. Es riecht nach Bratwurst und Steak, Kaffee und Kuchen. Rund 400 Besucher werden an diesem Sonntag die Einladung zum Besuch annehmen. Sie unterhalten sich, genießen die Speisen, für die Jüngsten gibt es Spiele und mehrmals werden Führungen durch das Gebäude angeboten.

Den Grundstein legte Kardinal Sterzinsky
Einer von denen, die hier die Ausbildung zum Priester absolvieren, ist Maximilian Hofmann. Der 27-Jährige aus der Nähe von Freising in Bayern hat drei der vier Ausbildungsabschnitte hinter sich. Wie alle anderen Seminaristen gehört er zur Gemeinschaft des Neokatechumenalen Weges. Der Neokatechumenale Weg bildet Priester vor allem für die Neuevangelisierung in besonderen diözesanen Seminaren aus. Deshalb gibt es im Erzbistum Berlin neben dem Erzbischöflichen Priesterseminar St. Petrus das Priesterseminar Redemptoris Mater. Diesen Namen tragen alle Seminare der Gemeinschaft weltweit, von denen es 117 gibt.
„Der Neokatechumenale Weg wird in einem Bistum aktiv auf Wunsch des Ortsbischofs. Das gilt auch für die Einrichtung eines Seminars“, erklärt Max Hofmann. Es war Kardinal Georg Sterzinsky, der nach dem Ende der DDR den Grundstein für das neokatechumenale Seminar legte – wegen der zurückgehenden Zahl an Priesterberufungen aus dem Bistum und auch auf Wunsch von Papst Johannes Paul II., der ein Förderer der neuen geistlichen Bewegungen war, denen er für die von ihm angestoßene Neuevangelisierung eine wichtige Rolle einräumte. <Weiterlesen>

Stichwort: Neokatechumenaler Weg
Der Neokatechumenale Weg wurde 1964 in Madrid gegründet. Er gehört zu den sogenannten neuen Geistlichen Gemeinschaften und will getaufte Christen langfristig auf ihrem Glaubensweg begleiten. Dies versuchen die Mitglieder durch geistliche Übungen sowie durch die Bildung von Gruppen, die über längere Zeit bestehen und in denen die Mitglieder ihre Spiritualität leben.
Die Bewegung besteht nach eigenen Angaben in 124 Nationen mit rund 25 000 Gemeinschaften in knapp 1500 Bistümern. In den Neokatechumenalen Priesterseminaren bereiten sich rund 2100 Seminaristen auf das Priestertum vor. In Deutschland gibt es 75 Gemeinschaften in 15 Diözesen und 37 Pfarreien sowie zwei Priesterseminare. Der Vatikan hatte 2008 die Statuten der Gemeinschaft anerkannt.
Der Neokatechumenale Weg wird teilweise auch innerhalb der katholischen Kirche kritisch gesehen. Beklagt werden zum Beispiel ein autoritärer Führungsstil, eine Abschottung nach außen und der Umgang mit ehemaligen Mitgliedern. Auch gebe es Schwierigkeiten bei der Integration der Gemeinschaft in das jeweilige Gemeindeleben.  (kna/tdh)

Von Matthias Holluba

Quelle und Link: www.tag-des-herrn.de

Titelbild: Maximilian Hofmann in der Kapelle des Priesterseminars Redemptoris Mater in Berlin. Hier feiert die Seminargemeinschaft Eucharistie. | Fotos: Matthias Holluba