Glaube in Potsdam

„Glaubensfragen
An Christoph Karlson, seit 2014 Pfarrvikar

Woran glauben Sie?
Ich glaube, dass Christus, Gottes Sohn, in unsere Welt kam und wir Menschen nichts Besseres zu tun hatten, als ihn umzubringen. Doch nicht einmal das ist uns gelungen: Er lebt. Und er will, dass auch ich lebe. So einfach – und dann ergeben sich alle anderen Glaubenswahrheiten des katholischen Glaubens fast wie von selbst.

Warum glauben Sie?
Jeder Mensch glaubt irgendwas. Deshalb bin ich froh, dass ich nicht an irgendwas glaube, sondern an Gott.

Religionsfreiheit ist …
… was in der UN-Menschenrechtskonvention, im deutschen Grundgesetz, in „Dignitatis humanae“ beschrieben wird: der Respekt vor dem innersten Geheimnis eines jeden Menschen.“

Quelle: PNN-Serie „Glaube in Potsdam“ vom 23.3.2017 ff

Anlässlich des 2017 gefeierten Lutherjahres wollten es die PNN genauer wissen: Woran glauben die Potsdamer? Was bedeutet der Glaube für sie im Alltag? Was bewegen Gläubige in Potsdam? 45 Gemeinden wurden in fünf Monaten vorgestellt – quer durch alle Konfessionen: Christen vieler verschiedener Konfessionen, Muslime, Juden und Anhänger der Bahá’í. Diese große Sammlung ist nun in einem Buch vereint: 

 

 

 

 

 

 

 

Herausgeber Jana Haase und Sabine Schicketanz:
Glaube in Potsdam Band 2 – Taschenbuch 12.9.2018
Religiöse Gemeinschaften: Geschichten und Personen.
Ergon-Verlag; 279 Seiten; 25 Euro

Quelle und Link: www.pnn.de

Oder Sie leihen sich das Buch in Bücherei von St. Peter und Paul aus:
Unsere Katholische Öffentliche Bücherei (KÖB)  hat rund 3.300 Bücher, Spiele und Hörbücher für Kinder und Erwachsene. Sie ist offen für alle interessierten Leser. Aufnahme und Ausleihe der Medien wird kostenlos angeboten. Die Bücherei befindet sich in der Kirche, Eingang links vorm Altarbereich.
Öffnungszeiten:  Sonntags vor dem Gottesdienst  ab 9:30 Uhr und danach bis ca. 12:00 Uhr, donnerstags nach der 9:00-Uhr-Messe“
Zitat aus: www.peter-paul-kirche.de

Auszüge über St. Antonius aus dem Buch:

Katholische Kirchengemeinde St. Antonius Babelsberg
Seit 1904 gab es einen katholischen Arbeiterverein, aus dem sich die Babelsberger Gemeinde entwickelte. 1906 wurde die Kapelle, gewidmet dem Heiligen Antonius von Padua, eingeweiht und ein Geistlicher angestellt. Formal er folgte die Gemeindegründung erst 1909. 1934 wurde die heutige Kirche eingeweiht. Besonderheiten: Der Kindergarten auf dem Gelände der Pfarrei wird 1923 von Marienschwestern gegründet: als „Tageskinderheim“. In Alt Nowawes gibt es eine katholische Schule, die … wird 1938 von den Nationalsozialisten geschlossen, die Kita kann nach dem Protest des Pfarrers erhalten bleiben. Die Gemeinde leidet insgesamt unter den Repressalien der Nazis, dennoch finden hier ab 1940 Gottesdienste für polnische Zwangsarbeiter statt. Während der DDR-Zeit genießt der katholische Kindergarten Bestandsschutz.
Kontakt: Plantagenstraße 23/24, 14482 Potsdam-Babelsberg. Telefon: (0331) 23 78 480,
E-Mail: Pfarrei@SanktAntonius.de,
www.SanktAntonius.de

Kleine Könige
Still ist es selten rund um die katholische Kirche Sankt Antonius in Babels berg. Die Kitakinder toben gerne draußen. Oder die Ministranten, die fürs Fußballturnier trainieren.

Von Steffi Pyance

Dieser Montag ist etwas Besonderes in der Wackelzahngruppe. Gleich drei Kinder hatten am Wochenende Geburtstag – jetzt wird nachgefeiert. Richard, Karla und Jannik sitzen auf roten Stühlen mit extra hohen Lehnen und tragen prächtige Papierkronen. Heute sind sie Könige. „Erzählt mal, wie euer Geburtstagmorgen war“, sagt Erzieherin Agnes Martin. Die 17 Kinder der großen Vorschulgruppe sind geduldig und hören zu. Auch angesichts der gedeckten Tafel – gleich wird es Leckereien von den Geburtstagskindern geben. Aber vorher wird noch gesungen: „Wer sich auf Gott verlässt, auf Gott den Herrn, der ist wie ein Baum am Wasser gepflanzt. So wird er gesegnet sein.“ In der katholischen Kita Sankt Antonius gehört Singen und Beten zum Alltag. „Wir erbitten Segen für die Geburtstagskinder“, sagt Agnes Martin zum Schluss: „Dass sie viel Freude erleben und viel Freude weitergeben.“

Im Pfarrhaus wohnt Christoph Karlson, 44 Jahre alt. Zum schwarzen Hemd mit weißem Kollar trägt er dunkle Jeans. … Dann bittet er ins Wohnzimmer mit Sitzgruppe und moderner Kunst an den Wänden. St. Antonius ist Karlsons erste Stelle als Gemeindepfarrer, obwohl er das genau genommen gar nicht ist. Potsdams zwei katholische Gemeinden, St. Peter und Paul und Antonius, befinden sich 2017 in der Fusionsphase. Der Propst  von St. Peter und Paul ist auch für Babelsberg zuständig, administrativ und als oberster Pfarrer Pfarrvikar Karlson betreut die Babelsberger direkt. Er ist zudem für St. Cacilia in Michendorf zuständig und Schulpfarrer in der katholischen Marienschule in Babelsberg Karlson pendelt zwischen Schulalltag und Gemeindepflichten, zwischen Gottesdiensten, Andachten, Taufen, Beerdigungen, Hausbesuchen und Jugendarbeit. Über das Himmelfahrtwochenende war er mit der Ministrantengruppe und der Mädchenschola – einem Chor – verreist.

Bevor Karlson nach Babelsberg kam, hatte er administrative oder akademische Stellen in der Kirche inne und arbeitete in der Priesterausbildung, zuletzt leitete er für sechs Jahre das Priesterseminar in Erfurt. In Potsdam gefällt es ihm, gerne würde er länger bleiben, aber das werden andere für ihn entscheiden. Studiert hat Karlson in Rom – das dürfen nur die Besten, sagt er, es sei eine große Ehre gewesen. Sein Akzent verrät eine ganz andere Herkunft. „Ick komm aus Berlin-Mitte“, sagt er und lacht herzlich. Im Wedding und in Zehlendorf hat er während seiner Jahre als Diakon gearbeitet. Wedding und Zehlendorf – danach könne man eigentlich alles.
… Gegründet wurde die Gemeinde 1906 als Arbeiterpfarrei. Wer im protestantischen Potsdam katholisch war, stammte in der Regel aus einer Arbeiter-Einwandererfamilie, Textil- oder Fabrikarbeiter aus dem katholischen Schlesien zum Beispiel. Bis 1906 fuhren die Babelsberger Katholiken noch nach Potsdam oder Wannsee zum Gottesdienst. Dann aber wurde im Karree zwischen Plantagen- und Turnstraße gebaut: ein Gemeindehaus für Verwaltung, Schwester und Pfarrer und im selben Gebäudetrakt ein Gottesdienstraum, mit Schmuckportal und Türmchen. Beides ist heute verschwunden. … 1934 wurde, nach nur einem dreiviertel Jahr Bauzeit, die Kirche geweiht. Architekt war Oberbaurat a. D. Wilhelm Fahlbusch aus Berlin-Dahlem, so steht es in einem Kirchenführer aus dem Jahr 1938. Weiter heißt es: im Stil eine moderne Kirche, außen „moderne Straffung“. Und innen? „Der Raum besitzt trotz seiner schlichten Einfachheit Überzeugungsstärke. Seine Atmosphäre redet und wirbt, sie ist warm.“ Das ist nachvollziehbar, man mag gern in der – noch immer modern anmutenden – Kirche sitzen. Es ist hell und freundlich. Als man baute, waren allerdings gerade die Nazis an die Macht ge kommen. 1942 wurde der Altarraum mit einem Mosaik nachgerüstet. ,,Macht, Weisheit, Reichtum, Kraft“ ist in der Apsis zu lesen – ein damals durchaus mutiges Statement, heißt es in einer aktuellen Kirchenbroschüre.
Mehr als 3000 Gemeindemitglieder gab es damals. Im DDR-roten Potsdam, so formuliert es Karlson, waren es Ende der 1980-er nur noch knapp 1300. Jetzt werden es wieder mehr, unter den Neuen sind viele Zuzügler aus dem Westen. Durchschnittlich 200 Gläubige besuchen den Sonntagsgottesdienst um 9 Uhr. Karlson findet das angesichts der Uhrzeit erstaunlich. Und dennoch könnte es sein, dass es irgendwann keinen Pfarrer mehr in Babelsberg gibt. Dass immer mehr Aufgaben von Laien und Ehrenamtlichen übernommen werden. Das sei grundsätzlich wünschenswert, aber es könne einen Pfarrer nicht ersetzen, findet Karlson. Neue Pfarrer müssen allerdings auch irgendwo herkommen: „Der Beruf ist nicht richtig attraktiv. Da tut sich auch nichts.“
Trotzdem ist St. Antonius eine wachsende, relativ junge Gemeinde. Es gibt viele Familien mit vielen Kindern. Die regelmäßigen Kinder-Flohmärkte sind eine Attraktion im Kiez. Die Ministranten treffen sich jeden Samstagvormittag, parallel die Mädchen zur Schola. Die reinen Jungen- und Mädchengruppen sind eine Babelsberger Spezialität. Antonius will beides sein, modern und konservativ. ,,Die Gemeinde ist katholisch mit Nachdruck“, beschreibt es der Pfarrer.
Nur mit der Kirchenmusik haben es die Katholiken nicht so. … Eine Konzerttradition gibt es nicht. Karlson bedauert das, aber trägt es mit Humor. „Brüllorgel“ nennt er es, wenn er in Andachten alleine singen muss. Statt Musik wird in Babelsberg lieber Fußball gespielt, einmal im Jahr findet sogar ein ökumenisches Fußballturnier statt. Die Ministranten trainieren dafür auf einer 1 A Fußballwiese – direkt neben der Kirche.