Glocken

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Beschreibung des wiederhergestellten Glockengeläutes

Glockenguß: “Metz – Karlsruher Glocken- und Kunstgiesserei” 1999
Installation: Firma Horst Bittner, Neuenhagen bei Berlin

1. Glocke: “Antonius“, 900 kg, größter Durchmesser 112 cm,Ton f’ Aufschrift: ANTONIUS, SCHUTZHERR DIESES GOTTESHAUSES, ERBITTE UNS FRIEDEN.

2. Glocke: “Bernhard“, 500 kg, größter Durchmesser 93 cm, Ton as’ Aufschrift: BERNHARD LICHTENBERG, ALLES AUS LIEBE TUN, ALLES AUS LIEBE LEIDEN.
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3. Glocke: “
Maria“, 360 kg, größter Durchmesser 83 cm, Ton b’ Aufschrift: MARIA, BITTE FÜR UNS JETZT UND IN DER STUNDE UNSERES TODES.

Seit 1934 von den 4 ursprünglichen Glocken erhalten

Glockenguß: “Gebrüder Ullrich”, Apolda

4. Glocke: “Johannes“, 246 kg, größter Durchmesser 72 cm, Ton c” Aufschrift: JOHANNES, WEGBEREITER DES HERRN, SEI UNS FÜHRER ZU CHRISTUS

 

Zeitungsartikel der “Potsdamer Tageszeitung” Nr. 66, 3. Beilage vom Montag, 19.März 1934:

Glockenweihe der St.-Antonius-Kirche – Meisterwerke der Glockengießerkunst

Die katholische Kirchengemeinde darf mit stolzer und tiefer Genugtuung auf die letzten Tage zurücksehen; sie stellten mit der Einholung der vier Glocken für das neue Gotteshaus mit der am Sonntag nachmittag erfolgten Weihe den letzten wichtigen Abschnitt in der Baugeschichte der Kirche dar, die in wenigen Wochen zum erstenmal ihre Türen den Ändächtigen öffnen und ihre Glocken erklingen lassen wird.

Am frühen Sonnabend nachmittag waren Gemeindemitglieder und katholische Jugend zum Bahnhof Neubabelsberg gezogen, um von dort in feierlichem Zuge die Glocken abzuholen und ihnen bis zur Plantagenstraße Geleit zu geben. Es war ein selten gesehenes Bild: Vorn im Zug die Jugend mit Wimpeln und Trommelklang, dahinter der geschmückte Wagen mit den Glocken, ächzend unter der Last seiner ehernen Bürde. So ging es frohen Schrittes bis zur Pfarrgemeinde, vor der eine zahlreiche Menschenmenge harrte und mit Interesse das Abladen der Glocken verfolgte, eine Arbeit, die ebenso schwer wie verantwortungsbewußt war.

Schon lange vor Beginn der schlichten Feier mit der am Sonntag nachmittag Pfarrer Dr. Auditor die Weihe der Glocken vornahm, hatten sich auf dem Grundstück der Kirchengemeinde viele Gemeindemitglieder eingefunden, um die neuen Freunde – wie Pfarrer Dr. Auditor sie nannte – zu besichtigen. Die große Glocke, etwa 18 Zentner schwer, trägt den Namen des Heiligen Antonius und den Spruch: ” Schutzherr dieses Gotteshauses und Fürbitter der Gemeinde, bleib Freund der Bedrängten und Helfer in der Not.” Etwa 10 Zentner wiegt die der Erinnerung an den Bischof Christian gewidtmete zweite Glocke mit den Worten: “Erster Bischof von Berlin, Ausspender der Firmengnaden am Silberjubiläum. Der Gemeinde dein Wahlspruch: In caritate Dei! Lebe fort in unseren Herzen.” Den Namen “Maria” hat man der dritten, acht Zentner schweren Glocke in Verbindung mit dem Spruch gegeben: Bitte für uns jetzt und in der Stunde des Todes.” Die kleine Glocke ist Johannes dem Täufer gewidmet: “Wegbereiter des Herrn, sei uns Führer zu Christus” – steht auf ihr.

Gesang des Kirchenchores der “Die Himmel rühmen” erklingen ließ, leitete die Weihe ein, an der, zu Füßen des Turmes der neuen Kirche aufgestellt, die katholischen Verbände und Vereine mit ihren Fahnen teilnehmen. Pfarrer Dr. Auditor sagte in seiner Ansprache, daß man vor genau neuen Monaten an gleicher Stelle gestanden und den ersten Spatenstich zum Kirchbau ausgeführt habe. Jeder, der dabei war, begleitete die Arbeit mit den besten Wünschen; sie sei rasch vor sich gegangen, Stein hatte sich auf Stein gefügt, Bauherrn, Architekten und Arbeiter hätten Wochen und Monate daran gearbeitet und nun wäre es so weit. Erst habe er die Besorgnis gehabt, daß der Turm stumm bleiben müsse, wie ein Mund, der nicht reden könne, aber dann habe er sich doch entschließen dürfen, die Glocken zu bestellen. Vierzehn Jahre hätten von der alten Kapelle keine Glocken geklungen, bis man aus Anlaß des märkischen Katholikentages 1920 doch zwei Glocken bestellte, um die Gläubigen zu begrüßen. Sie hätten geläutet zu freudigen und traurigen Ereignissen und ihr Grablied so manches Mal gesungen, wenn man einen der Gemeinde hinausgetragen habe. In die neue Kirche, in den neuen Turmgehörten nun auch neue Glocken. Gestern habe man sie in feierlicher Form eingeholt und nun sei man versammelt, um ihnen die Weihe zu geben, bevor sie in den Turm hinaufgezogen würden.

Die Glocken seien, so sagte Dr. Auditor weiter, nach dem Urteil des Domorganisten in Erfurt wahre Meisterwerke der Glockengießerkunst. Die große trage den Namen des Heiligen Antonius und bei diesem Wort gingen die Gedanken aller Katholiken nach Padua an das Grab des Heiligen, dessen Namen auch die neue Kirche trage. Die zweite Glocke sei aus einem Akt der Pietät der Erinnerung an den großen toten Bischof auf den Namen “Christian” getauft worden. Die dritte solle die Ave-Glocke sein und darum heiße sie “Maria”; der vierten habe man den Namen “Johannes” gegeben. Er sei der Führer zu Christus gewesen und diese Glocke müsse mit ihrer Stimme heute die Aufforderung an das Volk richten, zu Christus zu kommen.

Pfarrer Dr. Auditor wünschte von den vier lieben Freunden der neuen Kirche, daß sie über Berg und Tal, über Stadt und Land hinweg der katholischen Pfarrgemeinde eine schöne, glückliche Zukunft einläuten möchten. Immer solle ihr Ruf in die Herzen der Gläubigen dringen und sie mahnen, denn wie ein Volk den Sonntag feiere, so lebe und vergebe es.
Ein Weihespruch, wieder feierlicher Gesang. – Dann nahm Pfarrer Dr. Auditor den Akt der Weihe vor; Fastenpredigt und Segensandacht schlossen in der alten Kapelle die ergreifende Stunde ab.