Predigt 4.Ostersonntag

Predigt am 4. Sonntag der Osterzeit A

03. Mai 2020 – 10 Uhr St. Antonius (Live-Übertragung)

Liebe Gemeinde,

in unseren Gemeindegottesdiensten werden sonntags immer 3 Lesungstexte vorgetragen. Das ist ganz schön viel. In der Osterzeit hören wir als 1. Lesung aus der Apostelgeschichte abschnittsweise die Pfingstpredigt des Petrus. Und in der 2. Lesung lesen wir den 1. Petrusbrief, heute haben wir einen Abschnitt gehört, der sich besonders an Sklaven richtet, er möchte sie stärken und trösten: und das macht er mit einem schönen Zitat aus dem Alten Testament, aus dem Buch Jesaja: „Wir hatten uns verirrt wie Schafe, jeder ging für sich seinen Weg.“

Wie das ist, wenn jeder seinen Weg für sich geht, das kennen wir seit den letzten Wochen aus eigener Anschauung. Man geht durch den Park und falls jemand kommt, weicht man aus. Manchmal ist es ganz schön, seinen Weg selber wählen zu können, nicht auf andere Rücksicht nehmen zu müssen. Aber auf Dauer ist es belastend. Da ist der einsame Weg hart. Da geraten manche in Stress – wie ein verirrtes Schaf, das in Panik gerät und Angst bekommt. „Wir hatten uns verirrt wie Schafe, jeder ging für sich seinen Weg.“

Aber Petrus möchte ja die Christen, die unfrei leben müssen, trösten. Deshalb fügt er diesem Jesajazitat an: „Jetzt aber habt ihr euch hingewandt, zum Hirten und Hüter eurer Seelen.“

Ihr müsst also nicht einsam und traurig sein, sondern ihr habt Christus gefunden, den Hirten eurer Seelen.

Und damit weist er auch schon hin auf den Hirten, zu dem die Schafe Vertrauen haben, weil sie seine Stimme kennen, so haben wir es im Johannesevangelium gehört.

Und das ist uns auch sehr bekannt – gerade in diesen Tagen, wo wir unsere Angehörigen nicht in den Arm nehmen dürfen, sondern nur telefonieren. Bei einem normalen Telefon, sieht man ja meist nicht, wer der Anrufende ist, aber man erkennt bei vertrauten Menschen sofort die Stimme, man braucht gar nicht sich mit Namen zu melden.

Und wenn ich zurückdenke an manche Telefonate, da ging es meist immer um das Gleiche: wie geht es dem, was macht der? Aber es ist schön die vertraute Stimme wenigstens am Telefon zu hören. Wir wollen keine neuen Informationen, sondern einfach den Kontakt, die Nähe.

Eine unbekannte Stimme erzeugt kein Vertrauen.

Christus setzt sich in der Hirtenrede ab von den Dieben und Räubern. „Alle die vor mir kamen, waren Diebe und Räuber.“

Türen in Wohnungen und Schafställen dienen dazu, Räuber draußen zu halten. Ganz ohne eine Tür möchte keiner von uns leben. Und doch gibt es heute viele, für die ihre Tür zum Problem geworden ist. Die Menschen in den Seniorenheimen, Menschen, die in Quarantäne sind, weil sie infiziert sind oder Kontakt hatten. Wir können froh sein, dass wir in Deutschland keine totale Ausgangssperre haben, wie in Italien oder Spanien oder in Indien. Die eigene Haustür dürfen wir zum Glück mit einem triftigen Grund passieren.

Die Diskussion, wie weit denn die Kontaktsperre wieder gelockert werden soll, zeigt aber auch, dass wir darum ringen, wie weit die Tür zur Freiheit geöffnet werden soll.

Das ist übrigens kein Gnadenakt – so wie es DDR-Bürger immer zu spüren bekamen, wenn Ihnen eine Auslandsreise gewährt wurde. Versammlungsfreiheit und Bewegungsfreiheit sind im Grundgesetz verbrieftes Recht, für das man gar keinen triftigen Grund braucht. Es ist einfach so, dass das zu diesem Land dazugehört. Wer Türen verschließt, muss es begründen und zwar sorgfältig und immer wieder neu – und nicht umgekehrt.

 

Die Tür nun, die sich öffnet im Evangelium vom Guten Hirten, ist keine Tür in die Freiheit, sie ist eine Tür ins Leben. Und zwar nicht ein Leben, wie wir es kennen, sondern ein Leben in Fülle. So ein Leben im Überfluss, das ist ja die große Verheißung des Kommunismus gewesen. Da sollte das durch Umverteilung klappen, dass alle in Fülle leben können. Leider ist dann Armut und Entmündigung für alle draus geworden. Auch die Globalisierung der Märkte sollte dieses Leben in Fülle bringen: Du kannst alles haben – nur eine Frage der Technik und der Lieferketten. Die Kehrseite der Globalisierung ist in dieser Pandemie zu spüren. Auch Viren verbreiten sich nun global. Viren in Fülle haben wir – kein Leben in Fülle.

Das kennen wir vielleicht auch aus unserem persönlichen Erleben. Die Türen in unseren Wohnungen knallen genau dann zu, wenn wir zu viel wollten. Auf Kosten unserer Geschwister, unseres Ehepartners. Vertrauen ist zerstört und die Tür ist zu. Das ist leider eine Realität unseres Alltags, dass sich Türen so leicht verschließen und so schwer sich wieder öffnen.

 

Christus ist selbst durch Angst und Not und durch den Tod gegangen um eine wirkliche Tür ins Leben zu werden. Das ist unsere Hoffnung.

Er hat den Tod für immer besiegt und ihm seine Macht genommen. Dafür leuchtet hier neben mir die Osterkerze.

 

Liebe Senioren, liebe Ein-Mann-Haushalte, liebe Einsame: der Auferstandene ist die Tür zum Leben. Auch für Dich – auch für mich. Jetzt sind manche Türen noch verschlossen. Aus bekanntem Grund. Seien wir, die wir noch gesund sind, weiterhin rücksichtsvoll und vorsichtig, damit sich möglichst bald für unsere Senioren wieder die Türen öffnen können. Und eines Tages treten wir dann durch die große Tür, die Christus ist, ein in die himmlische Stadt, die auf unserem großen Mosaik in der Kirche strahlt und leuchtet.

Das ist unser Glaube und zu diesem Glauben wollen wir uns gemeinsam bekennen.