Predigt Himmelfahrt +

Pfarrer Christoph Jan Karlson
Predigt 
Christi Himmelfahrt Lesejahr A
21. Mai 2020 

Der Triumphzug Christi – „Wie hoch kann ich denn fliegen?“

Es gibt Länder, da ist am Himmelfahrtstag nicht frei, da müssen die Leute arbeiten – in Italien oder in Polen ist das z.B. so. Das Fest wird auf den nächsten Sonntag verlegt und da ist es ein Sonntag der Osterzeit unter vielen.

Hier in Deutschland ist staatlicher Feiertag und es wird weiterhin darüber gepredigt – aber worüber eigentlich?

Wenn man glaubt, man könnte sich in der Heiligen Schrift über dieses Fest der Himmelfahrt Christi informieren, so findet man zwar etwas:

Wir hören die ausführliche Schilderung der Himmelfahrt am Beginn der Apostelgeschichte – mit der liturgisch wirksam gewordenen Zeitangabe der Himmelfahrt – 40 Tage erschien er den Jüngern in Jerusalem, dann wurde er ihren Blicken entzogen.

Die Lesung aus dem Epheserbrief beschreibt eher die Wirkung der Himmelfahrt: die Fähigkeit mit neuen Augen im Geist Gottes zu sehen.

Im Lesejahr A hören wir schließlich den Schluss des Matthäusevangeliums – allerdings ohne Schilderung einer Entrückung – da wird nicht beschrieben, wie Christus emporgehoben wird, sondern er verabschiedet seine Jünger – er sendet sie aus. Was mit ihm geschieht, das wird nicht verraten.

Vielleicht ist das alles ein wenig viel und auch widersprüchlich: denn im Gegensatz zur 1. Lesung stellt Matthäus das Geschehen nicht in Bethanien dar, sondern er läßt sein Evangelium in Galiläa enden – auf einem Berg.

Das widerspricht natürlich der Schilderung aus der Apostelgeschichte. Wusste es nun Lukas besser oder Matthäus?

Ich finde, dass das Himmelfahrtsfest ein ganz wunderbares Fest ist. Denn gerade in den letzten Wochen und Monaten habe ich unsere Welt als furchtbar einengend empfunden. Es ging immer nur um Krankheit, Infektion, die eigenen vier Wände. Irgendwann hält man das nicht mehr aus. Man will bloß noch raus.

Die Himmelfahrt Christi ist das Ereignis, das unsere Enge aufsprengt. Es ist die Antwort auf die Frage: „Wie hoch kann ich denn fliegen?“ mit der der schöne Film Heaven von Tom Tykwer beginnt.

Ein Blick in die Liturgiegeschichte: Die frühe Kirche hat das Fest der Himmelfahrt oder der Erhöhung Christi mit am Pfingsttag gefeiert, denn es geht um den Triumph Christi. Ein Thronfest, eine Art Thronbesteigung, dessen Wirkung die Geistsendung ist.

Das wird vor allem im Stundengebet deutlich, wo immer wieder der Psalm 47 (46) gesungen wird: Da ist es Gott, der empor steigt mit Posaunenklang, er führt Gefangene mit. Wir haben ihn auch in der Messe als Antwortpsalm gehört. Und jetzt, da die Jünger den Auferstandenen sehen und an ihn glauben, da wenden sie diesen Psalm auf Christus an: nun ist es Christus, der genau diese Prozession anführt, die da von Gott berichtet wird, man sieht: er ist wirklich der Sohn Gottes.

Die kosmische Reise, die im Triduum von Ostern – Karfreitag, Karsamstag und Osternacht von der Gemeinde gleichsam mitvollzogen wird, und die im Triumph Christi bei der Auferstehung aus der Totenwelt endet, findet hier ihren eigentlichen Abschluß.

Christus steigt am Karfreitag auf den Berg Golgotha, um dann hinabzusteigen in das Reich des Todes, von dort steigt er wieder auf und zerstört die Höllenpforten und nimmt alle Gefangenen (Adam und Eva) mit hinaus: in einem riesigen Triumphzug des Lebens.

Das ist eine Sichtweise, die uns recht fremd ist. Triumphzüge, wie sie in der Antike üblich waren, mit großem Aufgebot, mit eigens angefertigten Triumphbögen, kennen wir nicht mehr. Und wenn wir sie kennen, dann aus der DDR-Zeit. Was allerdings kein richtiger Triumphzug war, denn hier zogen die Helden nicht mit, sondern saßen auf der Tribüne.

Der Triumphzug Christi ist ein Triumphzug, der deutlich machen soll: Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde. Der eigentliche König benötigt keine Siegeszeichen, außer seinen segnenden Händen. Die segnenden Hände Christi sind das Abschlussbild des Matthäusevangeliums. Die Male der Kreuzigung sind Zeichen des Sieges über den Tod geworden.

Vielleicht haben wir recht, wenn wir mit Triumphzügen heute wenig anfangen wollen. Wenn wir aber die Frage an uns heranlassen, wohin soll denn die Reise gehen? Was ist, wenn ich schon alle Wege gegangen bin? Was ist denn wenn meine Wege mir immer mehr als Irrwege erscheinen – wenn mir mein Leben ausweglos vorkommt? Dann hilft das Fest Christi Himmelfahrt sehr:

Die Symbolik des Himmelfahrtsfestes ist genau die Antwort auf diese Fragen: Der Weg ist frei. Du mußt nicht selber fliegen können, sondern der, mit dem du eins bist im Sakrament ist für dich gegangen. Er nimmt dich bei der Hand. Er bahnt uns eine Straße ins Licht.

Was das Wort „Erlösung“ bedeutet, kann man nicht einfach in wenigen Sätzen ausloten. Doch ist immer Erleichterung, Erhebung dabei. Und deshalb sollte es weiterhin das Himmelfahrtsfest geben. Es muß es sogar geben – Wie hoch kann ich denn fliegen? Wer sich in das Geheimnis von Himmelfahrt vertieft, der weiß: die Antwort lautet: Du kannst so hoch fliegen wie ich! Amen.