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Weihnachtsbeichte 2017

St. Antonius Potsdam

St. Cäcilia Michendorf

St. Peter u. Paul Potsdam

Samstag, 16.12.

16.00 Uhr Pfarrer Theurl

Pfarrer Rupprecht

Pfarrer Karlson

Sonntag, 17.12.

12:00 Uhr Pfarrer Karlson

Freitag, 22.12.

17.00 Uhr Pfarrer Karlson

Pfarrer Weber

Pfarrer Rupprecht

Sonntag, 10., 17., 24.12.

08:00 Uhr Pfarrer Karlson

Was Beichte war und ist

Unter den Schlagwörtern
Umkehr und Buße ist nicht gleich Beichte„,
Ein Sakrament mit einer bewegten Vergangenheit„,
Ein verändertes Gottesbild: der verzeihende Vater“ und
Gott allein weiß …“ wird die gängige Beichtpraxis hinterfragt und Alternativen aufgezeigt:

Eduard Nagel

Ein Sakrament in Bewegung

Was die Beichte war und ist

Noch vor wenigen Jahrzehnten gehörte für einen Großteil der katholischen Christen die Beichte in regelmäßigen Abständen, wenigstens jedoch in der Österlichen Bußzeit, ganz selbstverständlich zum Leben.

Heute bleibt die Beichtpraxis weitestgehend auf Wallfahrtskirchen, Beichtkirchen in Städten und Neue Geistliche Bewegungen beschränkt. Und bei vielen Kirchenrenovierungen in den letzten 50 Jahren wurden die Beichtstühle ersatzlos entfernt, andernorts dienen sie als Abstellkammer für alles Mögliche. Begriffe wie Sünde, Schuld, Umkehr scheinen weithin aus dem Gebrauchsvokabular verschwunden.

Gleichzeitig ist nicht zu übersehen, dass viele Menschen der Auseinandersetzung mit den dunklen Seiten ihres Lebens, mit Brüchen und Niederlagen, und der Versöhnung mit der eigenen Vergangenheit und mit Mitmenschen bedürften. Die bevorstehende Österliche Bußzeit kann ein Anstoß sein, all das an sich heranzulassen und bewusst vor Gott zu tragen – auf welche Weise auch immer.

Umkehr und Buße ist nicht gleich Beichte – Nicht selten wird der Niedergang der herkömmlichen Beichte mit einer allgemeinen Verweigerung der Auseinandersetzung mit Sünde und Schuld gleichgesetzt. Eine solche Erklärung greift jedoch zu kurz. Tatsächlich gibt es andere Formen von Umkehr und Buße auch gottesdienstlicher Art wie zum Beispiel die in vielen Gemeinden jedes Jahr üblichen Bußgottesdienste in der Fastenzeit, im Advent und auch vor Allerheiligen. Darüber hinaus unternehmen Gemeinden sehr ernsthafte Versuche mit neuen Formen – z.B. gehen sie Bußwege über die ganze Fastenzeit hin oder feiern einen »Abend der Barmherzigkeit«, bei dem ein Bußgottesdienst mit der Gelegenheit verbunden wird, sich segnen zu lassen oder auch zu beichten – begleitet von der stillen Anbetung einer Gruppe vor dem Allerheiligsten. Die Zahlen solcher Veranstaltungen sind (noch) nicht sehr hoch. Aber wo solche neue Formen angeboten werden, stoßen sie auf Interesse und Zuspruch. Doch auch die traditionelle Beichte lädt ein zur Auseinandersetzung.

Ein Sakrament mit einer bewegten Vergangenheit  – Es gibt gute Gründe zu der Annahme, dass die Abstinenz von der herkömmlichen Beichte nicht einfach mit einer allgemeinen Laxheit zu tun hat, sondern vor allem mit dieser speziellen Form von Umgang mit Schuld und von Versöhnung. Tatsächlich war die um die Mitte des letzten Jahrhunderts übliche Beichtpraxis nur wenige Jahrzehnte alt. Zuvor hatte das Bußsakrament in der Geschichte große Veränderungen erlebt: von der Exkommunikationsbuße für ganz bestimmte (öffentliche) Sünden über die Tarifbu- ße der iroschottischen Mönche mit Listen von festgelegten Bußwerken für bestimmte Sünden bis zu der jährlich vorgeschriebenen Beichte vor der Osterkommunion. Daneben gab es »Seelenführung« und in diesem Zusammenhang die so genannte Andachtsbeichte vor allem für Ordensleute und »Geistliche« – keineswegs nur, aber  auch darum, weil sie häufiger die Kommunion empfingen.

Dann kam die Liturgische Bewegung, die den Empfang der Kommunion als natürlichen Teil der Mitfeier der Eucharistie verstand, und das Kommuniondekret Pius’ X. vom 20.12.1905, das den häufigen Kommunionempfang empfahl. Das führte zu der viel häufigeren Beichte, die vor dem Kommunionempfang als unerlässlich angesehen wurde, nicht zuletzt des 6. Gebotes wegen, da auch noch nach 1950 Moralprofessoren lehrten, dass jede Sünde in diesem Bereich eine Todsünde sei.

Vereinfachend gesagt: Die monatliche »Standesbeichte« der Jungfrauen, der Jünglinge, der Frauen und der Männer an einem bestimmten Samstag im Monat, die der »Standeskommunion« am Sonntag voranging, die monatliche Schülerbeichte oder gar die wöchentliche Beichte besonders eifriger Ministranten war nur wenige Jahrzehnte alt. Diese Praxis hatte sich nicht zuletzt durch eine Verquickung der früheren ein- bis mehrmaligen Beichte im Jahr vor der Kommunion mit der häufigen Kommunion und der zeitgenössischen Moral mit ihrem Begriff von »schwerer Sünde« entwickelt. Mit zwei weitreichenden Konsequenzen: Die Neubewertung der Sexualität in der Gesellschaft in den 1960er Jahren entzog der häufigen Beichte das Fundament, und – was noch schwerer wiegt: Die übertriebene Aufmerksamkeit für diesen Bereich hinterließ bei nicht wenigen gewissenhaften Gläubigen persönliche tiefe Verletzungen, die bis heute nicht verheilt sind.

Ähnliches galt bezüglich der Sonntagsmesse: einmal nicht am Sonntag im Gottesdienst = »Todsünde«! – Wem dürfte demgemäß der Pfarrer am Sonntag oder gar an Weihnachten und Ostern heute noch die Kommunion reichen, ohne sich selbst mitschuldig zu machen?

Ein verändertes Gottesbild: der verzeihende Vater – Zur gleichen Zeit wie die Morallehre veränderte sich die Katechese: An die Stelle Gottes als eines strengen Richters, der genauestens Buch führt über die Vergehen seiner Kinder, wurde nunmehr eher der liebende Vater verkündet. Es war für viele junge und erwachsene Menschen eine befreiende Erfahrung zu hören: Gott macht die Menschen nicht klein; Jesus Christus gibt den Schuldigen ihre Würde wieder, ohne von ihnen ein detailliertes Sündenbekenntnis zu fordern. Das zeigt sich in vielen Szenen, ganz deutlich in seiner Begegnung mit der Sünderin (Lk 7,36-50) und im Gleichnis vom barmherzigen Vater: Er läuft dem Sohn entgegen, fällt ihm um den Hals und küsst ihn. Das Schuldbekenntnis des Sohnes folgt erst danach, und offensichtlich hat der Vater daran keinerlei Interesse, denn er geht mit keinem Wort darauf ein, sondern befiehlt den Knechten, sich um den Sohn zu kümmern. Die Bibel schildert Vergebung und Versöhnung in Formen, wie sie im Umgang der Menschen miteinander geschieht. Das Zugehen aufeinander, das Kommen zum anderen, ein Blick, eine Umarmung – Worte könnten in solchen Situationen oft nur Missverständnisse hervorrufen. Eine Aussprache kann folgen – unmittelbar oder auch erst viel später; sie ist nicht Voraussetzung der Versöhnung, sondern wird vielleicht erst im Nachhinein möglich. In einer Ehe und Familie wäre bei den alltäglichen oder auch bei schwereren Vergehen gegeneinander eine verpflichtende Prozedur wie bei der traditionellen Beichte undenkbar und könnte bis zum Zerbrechen der Beziehungen führen. »Und wenn schon ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gebt, was gut ist, …« (Mt 7,11).

Gott allein weiß … – Hinzu kommt, dass es oft schwierig, wenn nicht gar unmöglich ist, die wirkliche persönliche Schuld aus all den Zusammenhängen herauszulösen, in die wir als Menschen verwoben sind. Manchmal lässt sich eine Entscheidung ganz genau festmachen, andere Male aber gibt es Verwicklungen und Verstrickungen, wo guter Wille oder der Wunsch, anderen nicht weh zu tun, in eine falsche Richtung geführt haben. Es gibt Situationen, in denen wir nur demütig Gott bitten können: »Sieh du mich an, der du mich besser kennst als ich selbst, ich komme mit meinem Grübeln an kein Ende.« Ein detailliertes Bekenntnis in dieser Situation überfordert den Menschen, der um sein Versagen weiß, ebenso wie den Beichtvater. Mehr als das Stammeln des verlorenen Sohnes: »Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt, …« oder als die Tränen der Frau, mit denen sie Jesus die Füße wäscht, ist da weder sinnvoll noch möglich.

Der Priester – im Namen Jesu Heilender oder Richter?  – Die Form der Beichte, zu der bis heute in der Regel eingeladen und aufgerufen wird, verbindet in gewisser Weise geistliche Begleitung mit einer richterlichen Funktion. Vielleicht hat ihre Krise auch mit dieser Verbindung ganz unterschiedlicher Zielsetzungen zu tun. Für sehr viele Menschen der älteren Generation bedeutet beichten so viel wie einzelne Taten, die zu der in den zehn Geboten zusammengefassten Moral nicht in Einklang gestanden haben, bekennen. Das kann etwas ganz anderes sein als das, was die Menschen in ihrem Leben tatsächlich tief bewegt. Hilfreich wäre darum ein differenziertes Angebot, ein Zugang, der zunächst offen bleibt für unterschiedliche Wege. Der »Abend der Barmherzigkeit«, der in Wien entwickelt wurde, ist ein Beispiel. Wer sich von der Einladung anziehen lässt, hat die Möglichkeit, einfach an einem Bußgottesdienst teilzunehmen als ein Mensch unter vielen. Er kann sich zu einer dafür bereit stehenden Person begeben, um sich persönlich segnen zu lassen – einfach so oder indem er ein Anliegen nennt, für das er in besonderer Weise um Fürbitte und um Gottes Segen bitten möchte. Er kann sich auch zu denen gesellen, die vor dem Allerheiligsten Anbetung halten, und kann hier sein Herz ganz dem gegenwärtigen Herrn öffnen. Oder er geht zu einem Priester, um zu beichten und die Lossprechung zu empfangen.

Genau an dieser Stelle aber beginnt möglicherweise ein Problem, wenn dieser Mensch sich zwar durchaus seiner Schwachheit und sogar einer drückenden Schuld bewusst ist, aber diese ihm buchstäblich die Sprache verschlagen hat wie der Sünderin im Evangelium. Von ihr verlangt niemand ein Bekenntnis, ihre Tränen sagen genug. Warum genügt Ähnliches nicht für den Menschen, der ebenso verzweifelt sich nach Versöhnung sehnt, aber nicht auszusprechen vermag, was in ihm ist? Wo und wie kann etwas davon deutlich werden, dass der Priester im Namen Christi handelt, wenn nicht dadurch, dass er das Herantreten eines Menschen und sein Niederknien versteht und ihm das Wort der Vergebung und Versöhnung zuspricht: »Der Friede sei mit dir!« Käme solches Tun dem, was uns die Heilige Schrift über Jesu Umgang mit Sündern berichtet, nicht sehr viel näher als das Bild vom Richter, der genau wissen muss, worüber er zu entscheiden hat, und auch als der ehrlich bemühte Ratgeber, der hilflos ist, weil er nicht wirklich nachvollziehen kann, welchen inneren Weg der Mensch, der vor ihm kniet, hinter sich hat?

Vielleicht bricht nach diesem erlösenden Wort aus dem, der da kniet, heraus, worunter er gelitten hat. Vielleicht geht er nach Hause, glücklich und befreit, und lobt und preist Gott dafür, dass er solche Befreiung erfahren hat. Vielleicht trifft er irgendwann auf einen Priester oder einen anderen Bruder oder eine Schwester in Christus, dem oder der er seine Geschichte erzählen will, voller Glück darüber, dass ihm einmal erfahrbar geworden ist, was Heil und Erlösung wirklich heißt. Vielleicht ist er auch nur in aller Stille dankbar und vergisst die Stunde der Gnade in seinem Leben nie.

Papst und Bischöfe werben mit gutem Grund für eine Erneuerung des Bußsakramentes, weil sie um seine heilsame Wirkung wissen. Für Menschen, die für die Beichtstuhltür keinen Schlüssel (mehr) haben, könnten neue Formen vielleicht einen Zugang eröffnen.

© Dr. Eduard Nagel, aus: TeDeum – Das Stundengebet im Alltag, Ausg. 02.2014, ars liturgica Buch- & Kunstverlag MARIA LAACH / Verlag Katholisches Bibelwerk, Stuttgart; www.maria-laach.de/tedeum

Quelle und Link zu Informationen 114: www.ErzbistumBerlin.de