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Gebet eines alten Berliner’s

Gebet eines alten Berliner’s

Manchmal sitz ich janz alleene inne
Kirche vor’n Altar und denn denk ich,
ob mein Leben überhaupt wat Jutet war?

Ick bin fast siebzich, kann noch loofen,
kann noch kieken, kann ma koofen,
wat ma irjendwie jefällt –
mir jeht’s jut uff diese Welt!

Wie ick neulich da so sitze uff de
harte Kirchenbank,
muss ick an die andan denken, die janz
arm sind und ooch krank
die janz einsam sind und weenen;
denn für die, da jibt’s kaum eenen,
der se mal an’s Herze drückt oder mit
een Wort bejlückt.

Lieba Jott, ick weeß, jetzt frachste,
ob ick det nich ändan kann.
Hör ick richtich, Du, wat sachste?
Ich wär’ doch der richtje Mann,
der trotz fast siebzich manch ee’n
Armen könnte doch durch Dein Erbarmen
noch een bissken Glück bescher’n,
det se nicht noch mehr entbehr’n …?

Du kickst runta von Dein Kreuze
mitten in mein Herze rin,
weil De weeßt, det ick noch imma so een
bisschen gläubich bin.
Und nu willste, det ick jehe und nach
alte Leute sehe
und se helfe, froh zu sein
– nich nur durch Dein Wort allein
nee ooch Taten willste sehen,
jedenfalls, det denk ick mir,
wird schon noch durch mir jeschehen,
wenn’t nich jeht,
dann saag’ ick’s Dir.

Lieba Jott, jetzt jeh ick wieda,
unterweecks, da sing ick Lieda,
det De weeßt, bei Dir war’t schön,
so mach’s jut – uff Wiedasehn!

Verfasser unbekannt

 

Quelle und Link:  Treffpunkt50plus.blogspot.com

Ist die Kirche ausgebrannt?

Am Donnerstag 20. Juni 2019 zum Hochfest des Leibes und Blutes  Jesu Christi  / Fronleichnam gab es in der Hauptkirche  des pastoralen Raumes Potsdam – Mittelmark  St. Peter und Paul Potsdam 18:00 Uhr eine schlichte Abendmesse. Pfarrer in Ruhe Richard Rupprecht hielt dabei eine nachdenkliche Predigt:

Fronleichnam 2019

 Vor wenigen Wochen war die ganze westliche Welt erschüttert vom Brand der Kathedrale von Paris – Notre Dame. Die Befürchtung war groß, dass die Kathedrale in ihrer Substanz zerstört und kaum reparabel sei.

Gott sei Dank war dies nicht der Fall. Nun soll die Kathedrale wieder aufgebaut werden. Potentielle reiche Sponsoren haben Millionen zugesagt.

 Vor ein paar Tagen nun kam in den Medien, relativ unauffällig, eine interessante Meldung: Es wurde die erste hl. Messe nach dem Großbrand in einer Seitenkapelle, die nicht zerstört war, gefeiert. Nur eine kleine Gruppe von ca 30 Personen nahm an dieser Eucharistiefeier teil. Ein Zeichen der Hoffnung für Notre Dame! Die Millionen fließen noch nicht wie gedacht. Aber die Eucharistie wird gefeiert, das Wichtigste für ein Gotteshaus. Denn was hilft eine intakte Hülle, wenn nichts drin ist, wenn nicht das Wesentliche geschieht.

 Für mich steckt hinter diesem Geschehen um Notre Dame eine tiefe Symbolik für die Kirche unserer Tage. Für die Kirche, nicht als Bau aus Steinen, sondern aus lebendigen Gliedern, als Glaubensgemeinschaft. Sie ist sehr beschädigt, verursacht durch Versagen von innen und Ablehnung von außen. Ich muß es nicht schildern, es geschieht zur Genüge. Die Kirche ist – zumindest in unserer westlichen Wahrnehmung – irgendwie ausgebrannt. Man zeigt mit Fingern auf sie, prognostiziert ihren Zusammenbruch, nicht ohne Häme. Resignation breitet sich aus. Wo gibt es Hoffnung?

 Seit meinem Ruhestand bin ich oft unterwegs zu Vertretungen und Aushilfen, rings um Berlin. An allen – weithin reduzierten Gottesdienststandorten – treffe ich auf Gemeinschaften, die Eucharistie feiern wollen, manchmal sind es auch nicht mehr als oder nicht einmal 30 Personen. Siehe Notre Dame. Inmitten einer beschädigten und ausgebrannten Kirche kommen sie im Glauben zusammen, feiern in Treue Gottes Nähe im hl. Sakrament der Eucharistie und hören seine Stimme im Evangelium.

 Diese kleinen Gemeinschaften sind die Hoffnung für die Kirche. Natürlich braucht es auch Analysen und Programme, woher manche Not kommt und wie man ihr begegnen kann. Dies geschieht in vielen kirchlichen wie in profanen Stellungnahmen. Aber die wirklichen Hoffnungsträger sind die Frauen und Männer und jungen Leute, die sich nicht beirren lassen, die, gemäß den Worten des Apostels Paulus in der heutigen Lesung, vom Brot essen und aus dem Kelch trinken und so Tod und Auferstehung des Herrn verkünden, bis er kommt. Überall, wo ein Zeuge da ist, kann jemand neu überzeugt werden. Dieses Durchhaltevermögen ist entscheidend für die Zukunft der Kirche.

 So feiern wir heute Fronleichnam, nicht als Massenveranstaltung, sondern schlicht und einfach, das Lebenszeichen des Glaubens und der Hoffnung, für unsere Kirche und unsere Welt.

 Amen.