Schlagwort-Archive: Tag-des-Herrn

Paul versteht es nicht!

Paul versteht es nicht!

Das hätte ich lieber bleiben lassen sollen,
meinen Freund Paul, den hartgesottenen
Heiden, mit in die Kirche zu nehmen. Seitdem
geht er mir auf den Geist, fragt mir
ständig Löcher in den Bauch. Was das für
Männer sind, die so wunderliche Röcke
tragen, wollte er wissen. Beim ständigen
Auf und Nieder, dem Hoch und Runter,
stehen, sitzen, gar knien, ist sein zerebrales
Fassungsvermögen erschöpft. „Wä-
re der Besuch eines Fitnessstudios nicht
besser, dazu in bequemen Sport-Klamotten?“,
fragt er. Unverständlich ist Paul
auch, warum man den qualmenden Blumentopf
nicht löscht oder aus der Kirche
schafft, anstatt ihn rauchend rumzuschwenken.
Die Anrede „liebe Brüder und
Schwestern“ versteht er auch nicht. „Ich
bin Einzelkind!“, sagt er. Erklären soll ich
ihm, wieso am Anfang der „Ober-Rockträ-
ger“ mit „hochwürdigster Herr“ angeredet
wird und kurz danach, wenn er sagt: „Der
Herr sei mit euch“, duzt man sich plötzlich,
wenn die Leute sagen: „Und mit deinem
Geiste“. Von diesem Geist ist dann noch oft
die Rede, weiß Paul und fragt, was es auf
sich hat mit Sprüchen wie dem: „Der Geist
weht, wo er will“. Das Wehen kennt er bisher
nur von seinen Bettlaken auf der Leine
– und von den Fahnen am ersten Mai beispielsweise.
Sind Christen Ghost-Busters
– Geister-Jäger? So eine Art SchlangenBeschwörer?
Von einer wurde aus dem
dicken Buch vorgelesen. Diese listige hat
dafür gesorgt, dass die Eva von dem Apfel
gegessen hat, der am einzigen Tabu-Baum,
im Paradies hing. „Wieso das denn? Ich
warne meinen Neffen nur vor giftigen
Pflanzen, nicht vor leckerem Obst“ sagt
Paul, der meint: „Mit Tieren habt ihr es
überhaupt in euren Geschichten“ und leitet
in dem Gespräch zu dem Lamm über,
das geopfert wurde, um uns zu erlösen.
Und ich soll ihm das erklären, wie ein totes
Tier überhaupt noch etwas tun kann, geschweige
denn etwas lösen, gar er-lösen.
Oder was das mit der Puppe auf sich hat,
die Weihnachten durch die Kirche getragen
wird? Und dann auch das noch: Personalmangel
könne die Kirche doch nicht
haben, meint Paul, denn es wird gesagt:
alle, die zum Dienst in der Kirche bestellt
sind. „Online?“, fragt er. Ich bin fix und
fertig!

Raphael Schmidt,
Mit freundlicher Genehmigung der Kirchenzeitung
Tag des Herrn. www.tag-des-herrn.de,
Alle Rechte vorbehalten. © St. Benno-Verlag, Leipzig.

Wie Katholiken wirken

Foto: Michael Bönte/Valerie und der Priester

Die Journalistin Valerie Schönian wollte wissen: Was macht die katholische Kirche aus? Wie ticken die Gläubigen? Warum wird jemand Priester? Ein Jahr
lang begleitete sie einen Kaplan. Ihre Erlebnisse hat sie in ein Buch gepackt.

Von Kerstin Ostendorf / Katholische Wochenzeitung:Tag des Herrn

Ihr Anspruch war, ihn zu verstehen: Warum verzichtet jemand auf Familie und eine berufliche Karriere, um sich ganz in den Dienst Gottes und der Kirche zu stellen? Ein Jahr lang, von April 2016 bis Mai 2017, hat Schönian den Münsteraner Kaplan Franziskus von Boeselager begleitet. Ist sie heute schlauer?
Ihre Erlebnisse, die sie regelmäßig in dem Internetblog „Valerie und der Priester“ veröffentlicht hat, gibt es nun als Buch. Der Titel: „Halleluja. Wie ich versuchte, die katholische Kirche zu verstehen“. Die Journalistin Schönian reflektiert darin das Jahr mit Franziskus von Boeselager zusammen, lässt ihre Reise zum Weltjugendtag nach Krakau Revue passieren, hält Rückschau auf die Tage in Rom, die vielen Gespräche mit dem Priester in Münster-Roxel, die Begegnung mit seinen Eltern, von Boeselagers Besuch bei ihr in Berlin.
Links, feministisch und kirchenfern: Eine solche Journalistin hatte das Zentrum für Berufungspastoral der Deutschen Bischofskonferenz für das Internetprojekt gesucht – und Schönian gefunden. Sie wuchs in Magdeburg auf und hat mit Kirche nichts am Hut. Sie wurde evangelisch getauft, konfirmiert, besuchte ein katholisches Gymnasium, aber vor allem weil es ein gutes Gymnasium war, und spielte einen Hirten im Krippenspiel – das war’s. „Es ist bei mir und anderen in meinem Umfeld nicht mal so, dass wir die Kirche ablehnen. Sie ist einfach kein Thema“, sagt sie. Franziskus von Boeselager ist ihr Gegenstück: katholisch aufgewachsen, Gottesdienstbesuche am Sonntag, Bibellektüre mit der Familie am Abend.

Manchmal stand das ganze Projekt ernsthaft auf der Kippe

Beim Lesen des Buches wird deutlich: Hier sind zwei Welten aufeinandergeprallt, und das sorgte, wie Schönian schreibt, bei ihr für so manches Schleudertrauma – hin- und hergerissen zwischen ihrer kirchenkritischen Welt und den Menschen, die sie in Roxel kennengelernt hat. „Entweder du wirst katholisch oder er ist nicht länger Priester“, musste sich Schönian zu Beginn des Projekts häufig anhören. Weder das eine noch das andere ist passiert – so viel darf verraten werden. Aber: Der ständige Kontakt zu einem Priester und zu den Menschen in der Gemeinde hat sie verändert. Sie hat sich berühren lassen, hat ihre journalistische Distanz fallen lassen. Sie fühlte sich in der Gemeinde angenommen, aber zugleich von der katholischen Moral überfordert. Schnell kamen die katholischen Streitthemen zwischen ihr und von Boeselager auf den Tisch: Sexualmoral, Rolle der Frau, Zulassung zur Eucharistie, Gendertheorie. Schönian wurde wütend, emotional. Von Boeselagers Antworten, die er aus seinem Glauben zieht, empfand sie als Totschlagargumente, bei denen es nur zwei Möglichkeiten gibt: streiten oder die Meinungen stehenlassen. Manchmal stand das Projekt auf der Kippe, doch beide wollten durchhalten. Sie wollten sich verstehen.

Diese Gläubigen können ja schließlich nicht alle Spinner sein

Das Buch zu lesen, ist ein Spaß. Es ist leicht und locker geschrieben, immer wieder muss man als Leser schmunzeln. Schönian hält uns Katholiken den Spiegel vor: Ah, so wirken wir auf andere. Im Großen und Ganzen kommen wir dabei aber gut weg. Die Nähe zu den Menschen in Roxel ist das Fundament für Schönians Verständnis. „Die können doch nicht alle Spinner sein“, schreibt sie. Sie erlaubt uns einen Einblick in ihre Gedanken- und Gefühlswelt, in das Auf und Ab mit dem Priester an ihrer Seite.
Im Laufe des Jahres tritt sie aus der evangelischen Kirche aus – doch der Gedanke, wie es wäre, an Gott zu glauben, lässt sie auch in den Monaten nach dem Projekt nicht völlig los. „Manchmal denke ich, ich glaube, manchmal wieder, ich kann nicht. Also: vielleicht.“

Tempel in Jerusalem

Rekonstruktion des herodianischen Tempels
im Israel-Museum in Jerusalem. Foto: imago

02.03.2018 Tag des Herrn

Der jüdische Tempel in Jerusalem zur Zeit Jesu

Gigantisches Bauwerk

„Reißt diesen Tempel nieder“, sagt Jesus im Evangelium, „in drei Tagen werde ich ihn wieder aufrichten!“ Empörend finden die Schriftgelehrten das. Größenwahnsinnig obendrein. Denn den Tempel zu bauen, dauerte Jahrzehnte.

Zur Zeit Jesu steht in Jerusalem der zweite jüdische Tempel, der vom römischen Herrscher Herodes dem Großen um- und ausgebaut worden ist. Der erste Tempel, der sogenannte salomonische Tempel, wurde bei der Eroberung Jerusalems durch die Babylonier 586 v. Chr. zerstört. Die ersten Heimkehrer aus dem Exil bauten einen zweiten Tempel, der aber baufällig war, als Herodes an die Macht kam.

Neben anderen prestigeträchtigen Bauwerken widmet er sich nun ganz der Neugestaltung des Tempels – so will er die streng-
religiösen Juden auf seine Seite ziehen und sich selbst ein Denkmal setzen.

Der Bau des inneren Tempels dauert eineinhalb Jahre, die Fertigstellung der gesamten Tempelanlage erlebt Herodes nicht mehr: Er stirbt im Jahr 4 vor Christus, die Anlage wird erst 66 nach Christus, kurz vor dem ersten jüdischen Aufstand, fertiggestellt. Doch schon zur Zeit Jesu hat er gewaltige Ausmaße – vor allem für das überschaubare Jerusalem.

Dank der biblischen Texte, den Überlieferungen der römischen Literatur, vor allem vom Schriftsteller Flavius Josephus, und der archäologischen Arbeiten seit dem 19. Jahrhundert lässt sich die Tempelanlage gut rekonstruieren. Im Jerusalemer Israel-Museum kann man ihn sogar ansehen und sich vorstellen, wozu welche Teile dienten.

Die Gesamtanlage:

Herodes hat die Tempelanlage in Jerusalem zum größten sakralen Komplex in der ganzen römischen Welt ausgebaut. Der römische Herrscher verdoppelt das gesamte Areal auf eine Fläche von rund 500 x 300 Metern. Im Norden grenzt die Burg Antonia (im Bild oben rechts), ebenfalls ein Bauwerk des Herodes, und der Wasserspeicher für den Tempelbetrieb (im Bild unten rechts) an die Mauer.

Der gesamte Bereich ist von einem Säulengang umgeben. Mehrere Tore und Aufgänge führen auf die Anlage, so etwa das doppelte oder das goldene Tor an der Ostseite und das dreifache Tor im Süden. Unter der Plattform Richtung Süden und Westen befinden sich mächtige Säulenhallen, die den Tempelplatz auf der Bergkuppe stützen.

Als die Römer den jüdischen Aufstand 70 nach Christus niederschlagen, werden der Tempel und alle Aufbauten auf dem Platz zerstört, die Säulenhallen im Untergrund aber bleiben erhalten. Darunter etwa die sogenannten „Ställe Salomos“ in der südöstlichen Ecke der Anlage. Zu Zeiten des Herodes waren sie vermutlich ein Speicherraum, die Kreuzfahrer stellten später ihre Pferde dort unter – daher der Name – und heute beherbergen sie die Marwani-Moschee.

Die Westmauer

Von der Tempelanlage des Herodes sind heute nur noch Teile der Umrandungsmauer erhalten. Ein Stück der Westmauer gehört dazu. Sie ist heute neben der Grabeskirche und dem Felsendom eines der drei berühmten religiösen Bauwerke Jerusalems: die Klagemauer – ein Heiligtum für die jüdische Welt.

Königliche Säulenhalle

Im Süden der Tempelanlage führen die Säulengänge in eine Art Basilika, die königliche Säulenhalle, die ähnlich wie die gesamte Anlage im griechischen Stil gebaut wurde. Der gesamte Tempelberg dient als Forum, diese Säulenhalle aber ist der politische und wirtschaftliche Kern der Stadt – und hier verscheucht Jesus Händler und Geldwechsler, wie das Evangelium es an diesem Sonntag berichtet. Außerdem werden in der Halle öffentliche Versammlungen, Gerichtsverhandlungen und Debatten ausgetragen.

Der Hof der Nicht-Juden

Trotz der Bedenken der jüdischen Autoritäten schafft Herodes einen großen Platz rund um den eigentlichen Tempelbezirk, den Nicht-Juden betreten dürfen. Der eigentliche Tempelbereich ist wiederum durch eine Mauer abgegrenzt. An den Aufgängen warnen Steintafeln, von denen heute noch zwei erhalten sind: „Kein Fremder darf diesen Vorhof betreten. Wer dabei ertappt wird, muss der Todesstrafe gewärtig sein, die darauf steht.“

Der innere Tempelbezirk

Der eigentliche Tempel ist ein Quadrat von rund 250 Metern Länge, der ungefähr in der Mitte des Tempelbergs liegt. Er ist in drei Bereiche unterteilt: Den ersten Vorhof dürfen nur jüdische Frauen betreten. Über Treppen und durch einen Torbogen gelangen die israelitischen Männer in ihren Hof. Noch dahinter, quasi direkt vor dem eigentlichen Tempelgebäude, liegt der Priestervorhof mit Brandopferaltar und Schlachtplätzen. Hier werden die Tiere für die Opferung geschächtet.

Der eigentliche Tempel und das Allerheilgste

Die Innenwände des Tempels sollen herrlich ausgeschmückt und die Außenwände mit goldenen Platten verziert gewesen sein. Der Tempel selbst ist noch einmal in eine Vorhalle und das Allerheiligste unterteilt. In der Vorhalle stehen der goldene Weihrauchaltar, der Schaubrottisch und die siebenarmige Menora. Abgetrennt durch einen Vorhang liegt dahinter das Allerheiligste. Im ersten Tempel Salomos hat hier die Bundeslade gestanden, zur Zeit Jesu war der Raum dunkel und leer. Der Tempel darf nur von Priestern, das Allerheiligste nur einmal im Jahr, am Fest Jom Kippur, vom Hohepriester betreten werden.

So verdeutlicht die Struktur und Architektur des Tempels: Er ist die Wohnstätte Gottes. Dieser heilige Bereich wird von allem Profanen abgetrennt. Die Heiligkeit steigert sich zum Inneren hin und gipfelt im Allerheiligsten, der Verbindung zwischen Himmel und Erde, zwischen Gott und Menschen.

Von Kerstin Ostendorf

Quelle und Link: www.Tag-des-Herrn.de