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Gebetslaeuten.de 3.12.

Ein Stopp im Alltag

Glocken rufen immer seltener zum Gottesdienst. Umso wichtiger wird das Läuten zu bestimmten Tageszeiten. Als Erinnerung an Gott und als Einladung zum Innehalten und zum Gebet. Eine neue Kampagne will das fördern.

Von Susanne Haverkamp
(mit freundlicher Genehmigung der Autorin aus dem
Tag des Herrn“ vom 26. Nov 2017)

Die einen gehen vor Gericht, weil die Glocken zu laut oder zu oft
läuten; die anderen schätzen die Glocken als Moment der Unterbrechung im Alltag. Doch die Meckerer sind in der Minderheit,
sagt der Liturgiewissenschaftler Eduard Nagel. Umfragen hätten
ergeben: auch viele kirchenferne Menschen nähmen das Glockengeläut „als etwas Sympathisches wahr“.

Mehr noch als sympathisch, sagt Kurt Kramer, viele Jahre Vorsitzender des Beratungsausschusses für das Deutsche Glockenwesen „In ihrem Tagebuch schrieb die Jüdin Anne Frank, dass sie das Glockenläuten als Schutz empfunden hat“, so der Experte und Betreiber der Website „welt-der-glocken“. „Napoleon hat gesagt, dass ihm in der Verbannung auf Elba nichts so sehr fehle wie das Angelusläuten.“ Und auch heute sei es nicht viel andes: „Ich kenne einen jungen Mann, der aus der Kirche ausgetreten ist. Als sein Vater starb, sagte er: Ich möchte, dass für ihn die Glockenläuten!“

Neue Kampagne startet am 1. Advent

Der Beratungsausschuss startet deshalb am 1. Advent die ökumenische Kampagne „Hörst du nicht die Glocken?“. Gerade in einer Zeit, in der durch Priestermangel und Kirchenschließungen die
Glocken immer seltener zum Gottesdienst rufen, sei das Läuten zu
festen Tageszeiten wichtig. „Aber selbst unsere eigenen Leute wissen oft nicht, wann es warum läutet“, sagt Kurt Kramer.

Und warum läuten sie? „Glocken sind lebendige Zeugen einer
Transzendenz und werden auch von Menschen, deren eigener
Glaube vielleicht sehr vage ist, so wahrgenommen“, schreibt
Eduard Nagel. Mit anderen Worten: Das laute Läuten hält die
Idee wach, dass es mehr gibt, als wir sehen können, dass Gott
da ist.

Und vielleicht noch wichtiger: Glocken laden ein, einen Moment innezuhalten, einen Moment den Alltag zu unterbrechen, sie stehen für eine Atempause in der Hektik des Tages. „Wir wollen mit der Kampagne dazu einladen, das Gebetsläuten wieder mehr in
den Blick zu nehmen“, sagt Kurt Kramer. Dazu gibt eine Reihe von
Materialien.

Der Leitfaden für Gemeinden richtet sich an die Verantwortlichen vor Ort, also Pfarrer, Küster, Mesner oder Liturgiekreise. In der Broschüre finden sich nicht nur geschichtliche und rechtliche Hinweise zur Läuteordnung, sondern unter der Überschrift „Kreativität und Umsetzung“ auch Ideen, wie man die Glocken neu ins Bewusstsein der Gemeinde rücken kann. Dazu gehört die Kirchturmbesteigung mit Kommunionkindern genauso wie eine MP3-Datei auf der Gemeindehomepage, damit man die eigenen Glocken als Klingelton fürs Handy herunterladen kann.

Gebetsimpulse für jeden Tag und jede Stimmung

Eher an den Endverbraucher richtet sich das aufwendig gestaltete
Gebetsheft. Auf 24 Seiten macht es Vorschläge, wie das Glockenläuten als kurzer Gebetsimpuls genutzt werden kann. Das Heft bietet Gebete für die verschiedenen Tageszeiten, aber auch für verschiedene Lebenssituationen und Stimmungen an. Dankbar, traurig, gestresst, besorgt – unter diesen und anderen Überschriften finden sich traditionelle Gebete, Bibelworte, aber auch unbekanntere Texte wie dieses Gebet des Kabarettisten Hanns Dieter Hüsch:

„Ich bin vergnügt, erlöst, befreit.
Gott nahm in seine Hände meine Zeit.
Mein Fühlen, Denken, Hören, Sagen,
mein Triumphieren und Verzagen.
Das Elend und die Zärtlichkeit.“

Zum 1. Advent ist das Material auf der neuen Homepage erhältlich.
Das Gebetsheft gibt es dann auch als App für Smartphones.

Informationen und Material:
Ab 3. Dezember 2017 unter www.gebetslaeuten.de

Erbsünde?

Anfrage an den „Tag des Herrn“:

Warum hält die Kirche an der Erbsündenlehre fest?

Warum hält die Kirche an der Erbsündenlehre fest? Jeder weiß doch, dass der Tod ein notwendiges Element der Evolution ist, nicht die Strafe für eine ominöse Ursünde von Adam und Eva. Bitte eine klare Antwort, keine Umdeutungsversuche.  F. M., Aachen

Zunächst: Es ist die Aufgabe von Theologie, den Glauben im Licht neuer Erkenntnisse neu zu deuten. Wenn wir glauben, dass in uralten Texten ewige Wahrheit steckt, müssen wir sie stets neu deuten – wenn Sie das „umdeuten“ nennen und negativ bewerten, müssen Sie Theologie an sich ablehnen.

Zur Erbsünde: Das Buch Genesis erzählt eine Geschichte – wie die Bibel überhaupt viele Wahrheiten in Geschichten verpackt; auch eine Spezialität Jesu übrigens. Niemand behauptet heute noch, dass das etwa evolutionstheoretische Abhandlungen sind. Es geht weder um historische noch um naturwissenschaftliche Tatsachen, sondern um die Deutung der Welt und wie es kommt, dass sie ist, wie sie ist.

Die Sündenfallgeschichte (Genesis 3) reflektiert die grundlegende Erfahrung aller Menschen aller Zeiten, dass wir in Bosheit und Schuld verstrickt sind. Immer schon. Niemand kann sich davon ausnehmen. Jeder ist hineingeboren in die Widersprüchlichkeit von Gut und Böse. Böses steckt in jedem. Andererseits, so der Glaube, ist Gott das absolut Gute. Wie kommt also das Böse in die Welt?

Die Antwort gibt die Geschichte vom Sündenfall: Indem „der Mensch“ (Adam: hebr. Erdling; Eva: hebr. Leben) sich Gott verweigert, wird aus dem Paradies Gottes die harte Wirklichkeit. Indem der Mensch, wie der Dogmatiker Theodor Schneider schreibt, dem Wahn verfällt, „von Gott losgerissen und autonom und nur an sich und seinen selbstgesetzten Interessen orientiert“ leben zu können. Immer schon. Erzählerisch formuliert: Seit Adam und Eva.

Warum sollte die Kirche sich von dieser Lehre verabschieden? Hat sich seit Adam und Eva irgendetwas an dieser Verstrickung ins Böse geändert? Ist das Böse, das Menschen der Umstände halber, aber auch aus freiem Willen heraus tun, verschwunden? Gibt es irgendwo eine perfekte neue Schöpfung? Die Kirche sieht das nicht. Und nennt das Erbsünde: die ewige Verstrickung aller ins Böse.

Von Susanne Haverkamp

Quelle und Link: Tag des Herrn

Vom Treiben der Mönche

Tag des Herrn – Sommerserie 2017

Vom Treiben der Mönche

Hinein ins Brandenburgische geht es in Teil 6 der Tag des Herrn-Sommerserie: Als Ausflugsziel lockt diesmal das Kloster Chorin mit seiner erhabenen Backsteingotik und den weitläufigen Buchenwäldern.

Dieser Ort atmet Ewigkeit. Bis auf die Mücke, die den stillen Betrachter des zwischen den Bäumen auftauchenden erhabenen Kirchbaus ärgert. Die ist ein Zeichen des Hier und Jetzt, des Augenblicks, als sie sich auf dem linken Oberarm des Wanderers niederlässt, der doch bis eben den Frieden so sehr genossen hat. Patsch! Da hat er sie erschlagen. Jetzt hat der Wanderer wieder Zeit für die Ewigkeit, wenn er staunend auf die uralten Backsteingemäuer von Kloster Chorin schaut.
Ewigkeit, das sind hier immerhin bald 750 Jahre. Im Jahr 1272 löste Chorin mit seiner Gründung das 1258 gegründete Vorgängerkloster Mariensee ab. 270 Jahre lang, bis zu seiner Aufhebung als Folge der Reformation, bewohnten, durchbeteten und bewirtschafteten es Zisterzienser. Wer genau hier lebte, ist nicht bekannt. Nur wenige Namen kennt man heute, wie den des Abtes Tobias. Seine Grabplatte aus dem Jahr 1463 wurde in der Klosterkirche gefunden. Ansonsten gibt es bis auf ein paar Hand- und Fußabdrücke kein persönliches Zeugnis. Nicht einmal die Zahl der Mönche, die hier gelebt haben, ist bekannt. Und doch: Mit ein bisschen Phantasie können Besucher in den erhaltenen und öffentlich zugänglichen Teilen des Klosters das Leben der Brüder nachvollziehen, die hierher kamen, um Gott zu suchen und ihn zu loben. Man muss sich nur die Zeit nehmen, nach einem intensiven Blick in die Räumlichkeiten die Augen zu schließen, dann sieht man vor dem inneren Auge die Brüder in ihren schwarz-weißen Ordensgewändern durch die Gemäuer eilen oder wandeln.

Klosterkirche und Ziegelhof
Betreten kann der Besucher die meisten der Klostergebäude, sie bestaunen und sich das Leben in ihnen vorstellen. Allen voran die eingangs genannte imposante Kirche. Staunen kann der Besucher wirklich: Wie hat man es so früh und ohne die heutigen technischen Möglichkeiten geschafft, so hoch und so schön zu bauen? Beinahe gleicht es einem Wunder, wie das Gemäuer nun schon fast die dreifache Zeit der Existenz des Klosters steht. Die halboffene Kirche, der die Seitenwand fehlt, erzählt von den vielen Menschen, die sich hier versammelten. Siebenmal am Tag kamen die Brüder zum Chorgebet zusammen. Sie feierten die heilige Messe. Sie lasen und betrachteten die Heilige Schrift.
Aber natürlich bestand auch das Leben der Zisterzienser nicht nur aus Frömmigkeit. Harte Arbeit wurde getan: Egal ob in der Küche oder in den Stallungen, dem Cellarium – dem Vorratskeller – oder im Ziegelhof, in dem Backsteine nach der ­damals durchaus berühmten „Choriner Schule“ entstanden. Das tägliche Treiben im mittelalterlichen ­Kloster machte natürlich an dessen Mauern nicht Halt – 1375 umfasste das Gebiet im Besitz der Gemeinschaft eine Fläche von ­beeindruckenden 40 mal 40 Kilometern. Aber hier, im Innern der Mauern, fand sich der Dreh- ­und Angelpunkt ihres Lebens.
In der Küche beispielsweise fällt das Licht durch die vielen Fenster. Lange hölzerne Tische stehen in ihr. Zugegeben, im Mittelalter wird es keine klappbaren Bierzeltbänke gegeben haben, aber ansonsten kann sich der Besucher sehr gut in das einstige Treiben dieses Raumes einfühlen. Nebenan im Laien­refektorium aßen die einfachen Brüder.

Mönchswissen gegen Mückenstiche
Viele weitere Informationen hält die im April eröffnete Dauerausstellung in Brauhaus und ­Cellarium bereit. Darin geht es um den Bau, die Wirtschaft und die Wiederentdecktung des Klosters, aber auch um ein­zelne Aspekte des zisterziensischen Lebens. So gibt es Informationstafeln über Küche, Krankenhaus und Kräutergärten. Ein Detail daraus: Die Mönche empfahlen gegen Mückenstiche den bitteren Wermut. Sie werden gewusst haben warum.
Dass die Gebäude so relativ gut erhalten sind, ist dem berühmten Baumeister Karl Friedrich Schinkel zu verdanken. 1810 machte er hier Halt, als er auf der Reise nach Stettin war – und fand in der Nähe des Amtssees die halbverfallenen Gebäude. Steinbruch, Stall und Scheune waren ihre Nutzungszwecke zu dieser Zeit – nichts mit Kulturlandschaft, der architektonische Wert verkannt. Darüber, dass dieses Kleinod in solch einem Zustand war, war Schinkel empört. Er intervenierte beim ­Königlich Preußischen Finanzministerium und forderte vom Staat die Erhaltung des Klosters. Es ist ein Glück, dass er damit Erfolg hatte.
Die historischen Gebäude des ehemaligen Zisterzienserklosters Chorin sind heute Eigentum des Landes Brandenburg. Die Gemeinde Chorin ist mit der Verwaltung der gesamten Klosteranlage betraut und betreibt des Ensemble als Eigenbetrieb Kloster Chorin. Dennoch spielt auch die Kirche eine Rolle: Wer in der Klosterkapelle heiraten will, sollte sich mit dem evangelischen Pfarrer in Verbindung setzen. Katholischerseits finden auch immer wieder Veranstaltungen hier statt, wie Dekanatstage etwa, und auch die hauptamtlichen pastoralen Mitarbeiter des Erzbistums Berlin pilgern dieses Jahr noch hierher.

Wanderungen durch den Wald

Einen Ausflug wert ist das Kloster besonders im Sommer immer. Gut erreichbar ist es in einer halben Stunde zu Fuß vom Bahnhof Chorin, den der Ausflügler je nach Verbindung in nur einer Stunde von Berlin aus erreicht. Die Handy-App „DB Ausflug“, mit der die Bahn Exkursionsziele in Brandenburg vorstellt, empfiehlt, den Besuch des Klosters mit einer Rundwanderung von neun Kilometern zu verbinden. Dann geht der Wanderer vom Bahnhof aus dem Wegweiser „Rundwanderung Kroneneiche“ mit dem gelben Punkt nach, quasi um das Dorf herum durch den den dichten Buchenwald. Das ist empfehlenswert für Großstädter, die mal so richtig in der Natur sein wollen – das namensgebende Naturdenkmal „Kroneneiche“, eine 550 Jahre alte Traubeneiche, zu bestaunen, lohnt sich allerdings nicht: Sie ist mittlerweile umgefallen. Wer noch in diesem Sommer die Naturerfahrung wagt und es damit nicht durch die Nutzung von Wermut übertreiben will, dem sei ein ein gutes Mückenabwehrspray wärmstens empfohlen.

Hinweis: Öffnungszeiten und Eintritte
Kloster Chorin hat bis zum 28. Oktober täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet, in der Winterzeit täglich von 10 bis 16 Uhr. Letzter Einlass ist 30 Minuten vor der Schließzeit. Am 24. und 31. Dezember ist das Kloster geschlossen. Der Eintritt kostet 6 Euro, ermäßigt 3,50 Euro. Für Familien und ­Gruppen ab 12 Personen gibt es Ermäßigungen. ­Führungen von Mitarbeitern des Eigenbetriebes Kloster Chorin durch die Klosteranlage kosten 7 Euro, mit Dauerausstellung 8 Euro. Infos: www.kloster-chorin.org

Von Cornelia Klaebe

Quelle und Link: www.Tag-des-Herrn.de