Schlagwort-Archive: Tag-des-Herrn

Wir armen Heiden …

Anfrage an den Tag des Herrn:
Woher kommt der Begriff „Heiden“?
Was ist ein Heide? Woher kommt der Begriff? Früher haben wir für „die armen Heidenkinder“ gebetet. 

Antwort von Susanne Haverkamp

Das Wort „Heide“ ist die deutsche Übersetzung des hebräischen Wortes „gojim“, das im Alten Testament häufig vorkommt. Das kleine Volk Israel mit seinem Glauben an den einen Gott war immer umgeben von mächtigeren Völkern, die andere Götter verehrten. Baal zum Beispiel oder Astarte, kraftvolle Kriegsgötter oder mütterliche Fruchtbarkeitsgöttinnen; zu ihnen überzulaufen, war viele Jahrhunderte eine Versuchung, wie etwa der „Tanz um das goldene Kalb“ zeigt. Um sich abzugrenzen, spricht das Alte Testament von gojim, Heiden, und meint damit alle, die keine Juden sind und nicht dem Volk Israel angehören. Politisch wie religiös.

Das Neue Testament deutet den Begriff dagegen ausschließlich religiös und spricht von Heiden, wenn von Anhängern der im Mittelmeerraum verbreiteten griechischen und römischen Götterwelt die Rede ist. Als sich das Christentum ausbreitete, gab es deshalb Judenchristen, also Menschen, die vom jüdischen zum christlichen Glauben fanden, und Heidenchristen, etwa Menschen aus Korinth oder Rom, die von der dortigen Kultur geprägt waren.

Im Laufe der Geschichte, besonders, seitdem das Christentum sozusagen die religiöse Weltherrschaft übernahm, änderte sich die Bedeutung. Als Heiden wurden jetzt alle die bezeichnet, die keine Christen waren. Das galt für die Germanen genauso wie später für die Völker Afrikas, die Ureinwohner Amerikas oder die Muslime Arabiens.

Unterschieden wurde missionsgeschichtlich zwischen „Heiden aus Schicksal“, also Menschen, denen die Lehre von Christus noch nicht verkündet wurde, und „Heiden aus Schuld“, also Menschen, die den wahren Glauben nicht annehmen wollen. In Konkurrenz standen dabei zwei Ideale: der Heidenkrieg, also alle Nichtchristen zu töten, und die Heidenmission mit dem Ziel, die Seele der armen Heidenkinder zu retten – zur Not mit Gewalt.

Seit dieser Zeit ist der „Heide“ ein negativer Begriff, der auch mangelnde Bildung und Entwicklung umfasst. In der theologischen Debatte ist er deshalb ziemlich ausgestorben. Auch aus Respekt gegenüber den anderen Religionen und den Nichtgläubigen.

Susanne Haverkamp

Quelle und Link: www.Tag-des-Herrn.de

Ost-West-Unterschiede

Meinung von Matthias Holluba

Katholiken zweiter Klasse

Wenn in diesen Tagen die Rede von ostdeutschen Befindlichkeiten ist, hört man öfter den Satz: Die Ostdeutschen fühlten sich als Bürger zweiter Klasse.

Fast 30 Jahre nach der Deutschen Einheit gibt es noch immer zu viele Ost-West-Unterschiede, bei denen der Osten schlechter abschneidet. Damit sind nicht zu allererst finanzielle Unterschiede gemeint. Noch immer sind viele Führungspositionen in Staat, Gesellschaft und Wirtschaft mit Westdeutschen besetzt. Eine ostdeutsche Bundeskanzlerin gleicht das nicht aus.

Auch in der Kirche ist es nicht besser: Von den knapp 70 Mitgliedern der deutschen Bischofskonferenz haben lediglich drei eine ostdeutsche Biografie (Feige, Ipolt, Hauke). Bei der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) sieht es übrigens noch schlechter aus:
Der neue Landesbischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland, Friedrich Kramer, ist der einzige Ostdeutsche.
Mag ja sein, dass die ostdeutschen Kirchen keine Menschen mit Führungsqualitäten haben … >weiterlesen

Quelle und Link: www.Tag-des-Herrn.de

Priester ehelos?

Müssen katholische Priester ehelos leben? Das wird gerade sehr kontrovers diskutiert. Der Priester und Kirchengeschichtler Hubert Wolf hat dazu in seinem neuen Buch eine feste Meinung – und untermauert seine Thesen historisch.

Titelbild: Hubert Wolf ist ein renommierter Kirchenhistoriker und lehrt an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster. Foto: kna/Andreas Kühlken

Beitrag aus dem „Tag des Herrn“ vom 21.7.2019 von Susanne Haverkamp

Nicht mehr stichhaltig

Er kann es einfach. Hubert Wolf kann so schreiben, dass es wissenschaftlich präzise ist und zugleich gut lesbar und verständlich für jeden, der sich auf die Thematik einlässt. Populärwissenschaftlich nennt man das, was anderen oft
missrät: entweder zu populär oder zu wissenschaftlich. Aber
Hubert Wolf kann es einfach.
In seinem frisch erschienenen Buch hat sich der Münsteraner Professor für Kirchengeschichte den priesterlichen Pflichtzölibat vorgenommen. In 16 Thesen legt er die Geschichte dieses Ideals vor und zieht seine Schlussfolgerungen daraus.
Im Prinzip schreibt Wolf wenig Neues. Dass etwa im Neuen
Testament Amtsträger verheiratet waren, ist kein Geheimnis. Im
1. Timotheusbrief (3,3–5) heißt es, wer Bischof werden will, dürfe
„nur einmal verheiratet sein“ und müsse „seine Kinder in Gehorsam und allem Anstand erziehen. Wenn einer seinem eigenen Haus
nicht vorstehen kann, wie soll der für die Kirche Gottes sorgen?“.
Dass es dennoch früh ein Zölibatsideal gab, sieht Wolf vor allem
durch die antike Vorstellung von kultischer Reinheit begründet. „Wer den heiligen Leib Christi und den Kelch mit seinem kostbaren
Blut anfasst, der kann dies nur wie Christus im Abendmahlssaal
mit heiligen und ehrwürdigen Händen tun“, schreibt Wolf. Und
als Hauptquelle der Unreinheit werde die Sexualität angesehen
– obwohl für Jesus Reinheit keine äußerliche Frage, sondern „eine
Frage der Herzensgesinnung“ gewesen sei.

Die früheren Gründe überzeugen nicht mehr

Ausführlich geht Wolf auf die ökonomischen Gründe für die
Einführung des Pflichtzölibats für Weltpriester ein: Sie sollten
die Pfründe, die sie als Pfarrer zum Lebensunterhalt hatten,
nicht an Kinder vererben. Durch „Priesterkinder als reiche Erben“
sei die Kirche zunehmend verarmt, klagte Papst Benedikt VIII.
1022 auf der Synode von Pavia. Mochte damals stimmen, aber,
so Wolf: „Die zentrale Besoldung der Pfarrer aus der Kirchensteuer
in Deutschland und die Tatsache, dass heutzutage die meisten Pfarreien über gar keine Pfründe mehr verfügen, machen diese
einstmals zentrale Begründung schlicht obsolet.“

Wolf beschreibt, wie der Pflichtzölibat lange eher Theorie
als Praxis war. Erst nach der Reformation, im Zeitalter der Konfessionalisierung, sei er eingeschärft worden, weil er zum Unterscheidungskriterium wurde.
Dass die genannten Gründe theologisch nicht (mehr) stichhaltig sind, das wüssten auch die Päpste, sagt Wolf. Um ihn in den diskussionsfreudigen Zeiten rund um das Zweite Vatikanische Konzil dennoch zu halten, habe
Papst Paul VI. ihn „spirituell überhöht“. Einswerden mit Christus, sich ganz der Mutter Kirche weihen und Zeichen sein für das kommende Reich Gottes – das
seien die drei geistlichen Gründe, die er ins Feld führt und die seitdem oft wiederholt werden.

Verheiratete Priester
gibt es jetzt schon

Hubert Wolf lässt dagegen keinen Zweifel daran, dass er sich eine katholische Kirche mit verheirateten Priestern gut vorstellen kann. Und weist darauf hin, dass es sie auch schon gibt: konvertierte evangelische, altkatholische und anglikanische Pfarrer
zum Beispiel oder ausgeliehene Priester aus den unierten Ostkirchen. „Und nirgendwo gibt es Beschwerden der Gemeinden“, sagt er. Im Gegenteil: viele freuten sich über einen Seelsorger, der den Familienalltag kennt.
Wolf geht mit dem Blick des Historikers an das Thema heran.
Erst in den abschließenden Kapiteln nimmt er kurz andere Fragen
in den Blick: den Einfluss des Zölibats auf die Missbrauchsfälle, die
Güterabwägung zwischen „der heilsnotwendigen Eucharistie
und dem nicht heilsnotwendigen Zölibat“, die Machtfrage.
Fest steht: Wer in Zukunft sachlich über den Zölibat diskutieren
möchte, kommt an diesem Buch kaum vorbei.

Mit freundlicher Genehmigung der Autorin Susanne Haverkamp.

Beitrag aus dem „Tag des Herrn“ vom 21.7.2019 von Susanne Haverkamp