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Nach Peter und Paul …

Von der Leichtigkeit des Christseins

gesprochen von Gereon Alter (kath.)

„Nach Peter und Paul werden die Pfarrer faul.“ sagte man früher. So ganz stimmt das heute zwar nicht mehr, ich habe auch nach dem Apostelfest am 29. Juni noch reichlich Arbeit. Aber ein Körnchen Wahrheit ist schon dran: der Druck, den ich sonst oft bei meiner Arbeit spüre, lässt in diesen sommerlichen Tagen etwas nach. Und das Schöne daran ist, dass ich auf einmal einen Sinn für Dinge habe, die in der Hektik des Alltags leider ganz schnell untergehen. Dinge, die nicht in der Zeitung stehen, aber doch ganz wesentlich zu meiner Arbeit als Pfarrer und zum Leben eines Christen überhaupt gehören. Es sind kleine, anrührende, manchmal auch lustige Erlebnisse, die zeigen, dass ein Christ auch fröhlich sein und das Leben leicht nehmen kann. Ich will Ihnen ein wenig davon erzählen.

Anfangen muss ich bei den Kindern, denn sie sind mit Abstand am erfrischendsten. Jan-Niklas zum Beispiel, der immer, wenn seine Mutter ihn im Kinderwagen an unserer Kirche vorbeischob, laut rief: „Mama, ich will da rein! “ Ein kleiner christlicher Gerhard Schröder. Ein Mädchen macht sich im Gottesdienst bemerkbar. Ich hatte gerade gesagt, dass die Messe nun zuende sei, da rief sie laut in den Raum: „Ich will aber noch nicht nach Hause gehen!“ Wieder ein anderes Kind zeigt auf das Haus, in dem ich wohne, und behauptet felsenfest: „Da wohnt der Gott.“ (Der Kleine wird den Unterschied zwischen dem lieben Gott und mir schon noch begreifen.) Was ich schön daran finde ist, wie unbefangen und natürlich sich Kinder im Raum von Kirche und Glaube bewegen! Sie sind neugierig, aufgeschlossen, direkt heraus und vor allem mit ganz viel Freude dabei. Kein Wunder, dass Jesus Erwachsenen geraten hat, sich ein Beispiel an diesen Kleinen zu nehmen.

Aber auch Begegnungen mit erwachsenen Christen können etwas durchaus Erfrischendes haben. Erst kürzlich noch habe ich eine Reihe von Gesprächen mit einer Frau geführt, die in die Kirche aufgenommen werden wollte. Es ging um ernste Themen, aber wir haben auch richtig viel gelacht: über so manche Kleinkrämerei in unserer Kirche; über Typen, die’s nur bei uns und nirgendwo anders gibt; über Bischöfe, die sich so unendlich wichtig nehmen und zum Lachen in den Keller gehen … Das alles mag recht oberflächlich klingen, aber ich glaube, dass wir dem, was das Christsein eigentlich ausmacht, auf diese leichte und humorvolle Weise doch sehr nahe gekommen sind.

Ich spreche mit einem jungen Brautpaar über die Trauung. Er katholisch, sie evangelisch. Am Ende des Gespräches sagt die evangelische Braut: „Also, dass Sie als katholischer Pfarrer so offen für uns Evangelische sind, das finde ich richtig klasse.“ – „Danke. Aber wie meinen Sie das denn?“ frage ich zurück. „Naja, es ist doch eine katholische Trauung, und trotzdem lesen sie ein Evangelium vor.“ Ich musste erst einmal lachen und habe ihr dann erklärt, dass die „Evangelien“ nichts typisch Evangelisches sind, sondern ein Teil der Bibel, auf den sich alle Christen berufen, ganz gleich welche Konfession sie haben. – Also auch da, wo Menschen nicht mehr so vertraut mit dem Christlichen sind, kann es durchaus schöne und herzliche Begegnungen geben. Wir haben am Ende alle gelacht.

Ich könnte noch lange weiter erzählen. Fast an jedem Tag passiert in meiner Pfarrei irgendetwas, über das ich lachen oder zumindest schmunzeln kann. Wenn es das nicht gäbe, hätte ich meinen Beruf schon längst an den Nagel gehängt. Ich beschäftige mich zu 90 Prozent mit ernsten und auch schweren Dingen. Davon alleine kann keiner leben. Es braucht auch dieses Quäntchen Menschlich-Allzumenschliches und unser herzhaftes Lachen darüber. „When too perfect, lieber Gott böse. “ hat der koreanische Videokünstler Nam June Paik einmal gesagt. Das bringt es wunderbar auf den Punkt. Da gibt es noch einen andern, der zuständig ist, und der ganz sicher auch manchmal über uns schmunzelt.

Paul versteht es nicht!

Paul versteht es nicht!

Das hätte ich lieber bleiben lassen sollen,
meinen Freund Paul, den hartgesottenen
Heiden, mit in die Kirche zu nehmen. Seitdem
geht er mir auf den Geist, fragt mir
ständig Löcher in den Bauch. Was das für
Männer sind, die so wunderliche Röcke
tragen, wollte er wissen. Beim ständigen
Auf und Nieder, dem Hoch und Runter,
stehen, sitzen, gar knien, ist sein zerebrales
Fassungsvermögen erschöpft. „Wä-
re der Besuch eines Fitnessstudios nicht
besser, dazu in bequemen Sport-Klamotten?“,
fragt er. Unverständlich ist Paul
auch, warum man den qualmenden Blumentopf
nicht löscht oder aus der Kirche
schafft, anstatt ihn rauchend rumzuschwenken.
Die Anrede „liebe Brüder und
Schwestern“ versteht er auch nicht. „Ich
bin Einzelkind!“, sagt er. Erklären soll ich
ihm, wieso am Anfang der „Ober-Rockträ-
ger“ mit „hochwürdigster Herr“ angeredet
wird und kurz danach, wenn er sagt: „Der
Herr sei mit euch“, duzt man sich plötzlich,
wenn die Leute sagen: „Und mit deinem
Geiste“. Von diesem Geist ist dann noch oft
die Rede, weiß Paul und fragt, was es auf
sich hat mit Sprüchen wie dem: „Der Geist
weht, wo er will“. Das Wehen kennt er bisher
nur von seinen Bettlaken auf der Leine
– und von den Fahnen am ersten Mai beispielsweise.
Sind Christen Ghost-Busters
– Geister-Jäger? So eine Art SchlangenBeschwörer?
Von einer wurde aus dem
dicken Buch vorgelesen. Diese listige hat
dafür gesorgt, dass die Eva von dem Apfel
gegessen hat, der am einzigen Tabu-Baum,
im Paradies hing. „Wieso das denn? Ich
warne meinen Neffen nur vor giftigen
Pflanzen, nicht vor leckerem Obst“ sagt
Paul, der meint: „Mit Tieren habt ihr es
überhaupt in euren Geschichten“ und leitet
in dem Gespräch zu dem Lamm über,
das geopfert wurde, um uns zu erlösen.
Und ich soll ihm das erklären, wie ein totes
Tier überhaupt noch etwas tun kann, geschweige
denn etwas lösen, gar er-lösen.
Oder was das mit der Puppe auf sich hat,
die Weihnachten durch die Kirche getragen
wird? Und dann auch das noch: Personalmangel
könne die Kirche doch nicht
haben, meint Paul, denn es wird gesagt:
alle, die zum Dienst in der Kirche bestellt
sind. „Online?“, fragt er. Ich bin fix und
fertig!

Raphael Schmidt,
Mit freundlicher Genehmigung der Kirchenzeitung
Tag des Herrn. www.tag-des-herrn.de,
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