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Lieblingstante war Sr. Mafaldis

Quelle: Kirche-und-Leben.de Das Katholische Online-Magazin
Film„Der Junge muss an die frische Luft“ ab Dezember im Kino
Hape Kerkelings Lieblingstante war Schwester Mafaldis

… Und zählt in seinem Buch „Der Junge muss an die frische Luft – meine Kindheit und ich“ gleich eine ganze Reihe ihrer Eingenschaften auf, … Jene Großtante, die als Clemensschwester lange Zeit im Mutterhaus in Münster lebte, … die ihn an einigen Punkten seiner tragischen Kinder- und Jugendzeit beeindruckte und ihm half. … Die kranke Mutter konnte damals den Alltag nicht mehr bewältigen. „Die ausgeglichene und patente Ordensfrau“ übernahm für einige Zeit „auf äußerst angenehme Weise das häusliche Regiment“, … Es gibt einige Episoden, in der … die besondere Beziehung zur Ordensschwester deutlich werden. … Bei der Beerdigung seiner Mutter,  Oder bei der heimlichen Erfüllung seines kindlichen Wunsches, sie einmal ohne Haube sehen zu dürfen. „Du siehst toll aus“, sagte er damals.  -> Weiterlesen

Mit freundlicher Genehmigung des Online-Magazins „www.Kirche-und-Leben.de“ und der der gleichnamigen Wochenzeitung im Bistum Münster.

Gesichter und Geschichten

Quelle: Förner, Stefan/ Mantey, Konstantin und 12 weitere Autoren: Erzbistum Berlin – Gesichter und Geschichten. Portraits, Interviews, Berichte. Taschenbuch Berlin 2011.
Herausgeber: Erzbischöfliches Ordinariat Berlin

Damals war unser Propst noch auf Rügen, deshalb heißt es:

Keine normale Landpfarrei

Pfarrer Arnd Franke

KM: Ein gemütliches Wohnzimmer haben Sie hier!
Arnd Franke: Das ist nicht nur mein privates Wohnzimmer. Das ist auch Jugendraum, Essenraum und Gemeinschaftsraum in einem. Für mich habe ich zwei kleine Zimmer und ein Bad. Auch die Küche
wird gemeinsam genutzt, und so kommt es häufig vor,dass wir gemeinschaftlich essen. Der Zivi, Jugendliche, die Sozialstunden leisten, und andere Gäste. Ich habe das in Amerika so kennen-gelernt: Jeder Priester hat keine Wohnung, sondern nur ein oder zwei Zimmer im Pfarrhaus, Küche sowie Wohnzimmer stehen
allen offen. Allein durch die Wohnsituation gibt es automatisch mehr gemeinsames Leben. Insofern ist es hier ein offenes Pfarrhaus.

KM: Nach Ihrer Priesterweihe im Jahr 2000 haben Sie in den USA ein Lizenziatsstudium in Fundamentalmoraltheologie gemacht, an der Jesuit School of Theology in Cambridge, Massachusetts. Studiert haben Sie u.a. auch in Rom am Collegium Germanicum, waren Diözesanjugendseelsor-ger und sind seit 2006 wieder an die Küste zurückgekehrt, wo Sie – im benachbarten Stralsund – geboren wurden.
Arnd Franke: Nach 14 Jahren Odyssee, also in aller Welt, wieder in die Heimat zu kommen und zu sehen, wie viel sich verändert hat und wie viel sich auch nicht verändert hat, war sehr interessant.

„Mich erfüllt die Arbeit und das Alleinsein, aber ich empfinde es als einen Verzicht“

KM: Und jetzt sind Sie der Pfarrer für die ganze Insel Rügen…
Arnd Franke: In Bergen wohne ich, aber Binz und die Erweiterung der Kirche ist das Thema, das mich seit meiner Ankunft hier am meisten beschäftigt. Damals konnte der Kirchenbau fast schon begonnen werden. Doch es gab viele ungelöste Probleme, außerdem fehlte noch Geld. Neben Spenden der Gemeinde und der vielen Urlauber und der Unter-stützung durch das Bonifatiuswerk und unser Erzbistum gaben letztlich EU-Fördermittel den Ausschlag. Normalerweise gibt es mittlerweile zu große Kirchen, doch dass eine Kirche zu klein sein könnte, das war den Förderern auch neu. Am 24. Mai 2009 konnten wir endlich beginnen mit dem ersten Spatenstich des Kardinals. Während der Bauzeit feiern wir Gottesdienst im »Haus des Gastes«, in der Saison ist der Zweihundert-Leute-Saal voll. Wenn am 8.Januar 2011 Kardinal Sterzinsky, der immer hinter dem Projekt stand, den Altar geweiht hat, ist die Gemeinde nach 15 Jahren und dem dritten Entwurf am Ziel.

KM:
Laut Schematismus sind Sie auch der »Beauftragte für
Tourismusseelsorge im Dekanat«, das liegt bei Rügen ziemlich nahe, und das ganz allein auf Deutschlands größter Insel …
Arnd Franke: Rügen ist keine normale Landpfarrei, es gibt 1.400 Gemeindemitglieder, 300 weitere, die die Hälfte des Jahres hier leben, und die vielen Urlauber. Neue wie wiederholt kommende Gäste und immer mehr wollen hierher. Im Winter haben wir sieben und im Sommer acht Gottesdienstorte. Vorabendgottesdienste in Sassnitz und Garz, und am Sonntag Bergen, Binz, Sellin, Altenkirchen im Juli und August, in Gingst am Donnerstag. Hinzu kommen dann noch die ökumenischen Ufergottesdienste, vierwöchentlich im Sommer. Der evangelische Pastor Ludwig Gotthard Kosegarten wollte auch die Fischer am Gottesdienst teilhaben lassen, und so stellte er sich an die Steilküste und bepredigte sie von dort aus. Heutzutage sind es nicht die Fischer auf dem Wasser, sondern die Touristen an Land.

KM: Und wie schaffen Sie das? Sie sind doch der einzige
Pfarrer auf der Insel!
Arnd Franke: Ich bin froh über die Zusammenarbeit mit Diakon Seyer, der in Binz mit seiner Frau lebt und mit einer halben Stelle in der Gemeinde mitarbeitet. Aber ich hätte schon gerne noch einen
Ruheständler an der Seite. Ein großes Glück ist der Zivi, den leistet sich die Gemeinde, der macht Fahrdienste und Hausmeistertätig-keiten.

»Mich erfüllt die Arbeit und das Alleinsein, aber ich empfinde es als einen Verzicht.«

KM: Obwohl Sie viel zu tun haben, viel unterwegs sind und ein offenes Pfarrhaus führen, könnte ich mir vorstellen, dass Sie auch häufig alleine sind. Wie ist das für Sie?

Kreative Spannung

Arnd Franke: Es geht um eine kreative Spannung, die ich versuche auszuhalten: Einerseits fehlt mir das Mitbrüderliche schon, andererseits finde ich Rügen einen sehr schönen Ort,um allein zu sein.Ich versuche das Stundengebet regelmäßig in der Kirche zu beten, aber auch täglich um den Nonnensee zu gehen. In dieser knappen Stunde tanke ich Tageslicht und frische Luft, ich habe Bewegung und Zeit für neue Ideen, aber auch um zur Ruhe zu kommen. Auf dem Weg entsteht ganz viel. Mich erfüllt die Arbeit und das Alleinsein, aber ich empfinde es als einen Verzicht.

KM: Ich stelle mir vor, dass Sie sehr viel unterwegs sind?
Bei Wind und Wetter?
Arnd Franke: Ja, ich habe fast jeden Tag eine Messe und bin überall. Der Winter 2010 hatte es ja auch in sich. Zum Glück habe ich einen Minijeep mit Allradantrieb. Den kann ich auch für den Sommer
gut gebrauchen, denn es gibt auf Rügen nicht nur Bundesstraßen. Was wir leider nicht realisieren konnten, war die Idee eines spirituellen Zentrums in einer romanischen Feldstein-Kirche in Bobbin mit wunderbarem Blick auf Kap Arkona. Als Partner waren
die Benediktiner aus Münster Schwarzach angedacht. Wir waren auch in Verhandlungen, aber leider wurde daraus nichts.

Kleine Schritte

KM: Das wäre ja großartig gewesen!
Arnd Franke: Und auch an einem idealen Ort: Die Kirche liegt auf dem Weg nach Kap Arkona, wohin es jährlich fast eine Million Menschen zieht. Wenn nur jeder zehnte davon dort anhalten würde,
hätten die Mönche mehr als genug zu tun. Das wäre eine schöne Sache geworden. Gerade an diesem hochtouristischen Ort, die Urlauber wären dafür empfänglich. Urlaub wird mehr und mehr zur Sinnsuche. Ich könnte mir sogar ein Exerzitienhaus auf der Insel vorstellen. Aber bis alle meine Träume wahr werden, versuche ich kleine Schritte zu gehen: Ich habe mir angewöhnt, nach der Liturgie die Leute mit Handschlag zu verabschieden, so erreiche ich viele, die sonst zu schnell verschwunden sind, ob Urlaubsgäste oder Einheimische. Es sind immer auch längere Gespräche dabei. Ich habe kein Konzept für Tourismuspastoral, mein Konzept ist es, bei den Menschen zu sein. Langfristig habe ich die Idee, jeder Kirche ein eigenes Profil zu geben: z.B. in Bergen ist die Pfarrkirche, Binz ist die Urlauberkirche, Sellin die Hochzeitskirche – vielleicht für jeden Lebensabschnitt eine Kirche. Was mich freut ist, dass ich jetzt
auch wieder Jugendliche habe, anfangs blieben die erstmal weg, aber jetzt ist das eben dran, jetzt kann ich mich dem widmen.

Jugendarbeit: Positive Erfahrungen
mit Kirche ermöglichen

KM: Bleiben die denn dabei?
Arnd Franke: Ich kenne die Klage: Viele sind enttäuscht, wenn die Firmlinge nach der Firmung wegbleiben. Aus Amerika habe ich gelernt, es eher wie bei dem biblischen Gleichnis vom verlorenen Sohn zu sehen. Es muss doch unser Ziel sein, reife Christen zu erziehen. So lösen sich auch viele von der Kirche. Aber sie kommen auch zurück, doch manchmal merken wir es gar nicht oder es gibt keine passenden Andockplätze. Die Herausforderung in Zukunft wird sein, die Erwachsenenpastoral mehr in den Blick zu bekommen und die Lebensfragen zu behandeln. In der Kinder- und Jugendarbeit soll doch vor allem eine positive Erfahrung mit Kirche ermöglicht werden. Was erinnern wir denn an unsere Jugendzeit? Meist, dass es eine tolle Zeit war. Und wenn sie zurückkehren aufgrund dieses Gefühls, müssen die Türen offen sein. Und sie kommen zurück, da bin ich ganz sicher!

»Wo der Geist des Herrn wirkt, da ist Freiheit!«

KM: Wie ist der Wunsch bei Ihnen aufgekommen, Priester zu werden?
Arnd Franke: Entscheidend waren für mich Menschen, die mich beeindruckt und geprägt haben. Mein Vorgänger auf der Insel Rügen war auch Kaplan in Stralsund, Harry Karcz, der ab 1990 da war und
mich sehr geprägt hat. In jenen Jahren starb mein Vater, ich wurde schwer krank und merkte erstmals bewusst: Nicht alles ist planbar. Pfarrer Karcz begleitet mich immer noch. Auch Father Brian Manning, bei dem ich in Boston lebte, begleitet meinen Weg und war mittlerweile schon dreimal auf der Insel zu Besuch. In Alt-Buchhorst fiel mir als Jugendlicher ein Faltblatt in die Hände: »Nachfolgen in Freiheit – Priestertum dein Weg?« Irgendwann erzählte ich davon
dem Pfarrer und dem Kaplan. Kirche habe ich mir angeeignet durch das Gemeindeleben, als Ministrant und bei den RKW. Und für einen Christen in der DDR besonders wichtig: Die Freiheit, wie auf diesem
Faltblatt. Das wurde dann auch mein Primizspruch:
Wo der Geist des Herrn wirkt, da ist Freiheit!

Das Interview führte Kontantin Mantey (KM).

Pfarrer Arnd Franke, geb 1973 in Stralsund, Priesterweihe
2000, zuletzt Diözesanjugendseelsorger, seit 2006 Pfarrer
auf der Insel Rügen.

… und nun wissen wir, seit 1.9.2018 ist Pfarrer Arnd Franke Propst für den Großraum Potsdam (Katholische Kirchengemeinden in Potsdam, Babelsberg, Michendorf und Werder) an St. Peter und Paul.

Glaube in Potsdam

„Glaubensfragen
An Christoph Karlson, seit 2014 Pfarrvikar

Woran glauben Sie?
Ich glaube, dass Christus, Gottes Sohn, in unsere Welt kam und wir Menschen nichts Besseres zu tun hatten, als ihn umzubringen. Doch nicht einmal das ist uns gelungen: Er lebt. Und er will, dass auch ich lebe. So einfach – und dann ergeben sich alle anderen Glaubenswahrheiten des katholischen Glaubens fast wie von selbst.

Warum glauben Sie?
Jeder Mensch glaubt irgendwas. Deshalb bin ich froh, dass ich nicht an irgendwas glaube, sondern an Gott.

Religionsfreiheit ist …
… was in der UN-Menschenrechtskonvention, im deutschen Grundgesetz, in „Dignitatis humanae“ beschrieben wird: der Respekt vor dem innersten Geheimnis eines jeden Menschen.“

Quelle: PNN-Serie „Glaube in Potsdam“ vom 23.3.2017 ff

Anlässlich des 2017 gefeierten Lutherjahres wollten es die PNN genauer wissen: Woran glauben die Potsdamer? Was bedeutet der Glaube für sie im Alltag? Was bewegen Gläubige in Potsdam? 45 Gemeinden wurden in fünf Monaten vorgestellt – quer durch alle Konfessionen: Christen vieler verschiedener Konfessionen, Muslime, Juden und Anhänger der Bahá’í. Diese große Sammlung ist nun in einem Buch vereint: 

 

 

 

 

 

 

 

Herausgeber Jana Haase und Sabine Schicketanz:
Glaube in Potsdam Band 2 – Taschenbuch 12.9.2018
Religiöse Gemeinschaften: Geschichten und Personen.
Ergon-Verlag; 279 Seiten; 25 Euro

Quelle und Link: www.pnn.de

Oder Sie leihen sich das Buch in Bücherei von St. Peter und Paul aus:
Unsere Katholische Öffentliche Bücherei (KÖB)  hat rund 3.300 Bücher, Spiele und Hörbücher für Kinder und Erwachsene. Sie ist offen für alle interessierten Leser. Aufnahme und Ausleihe der Medien wird kostenlos angeboten. Die Bücherei befindet sich in der Kirche, Eingang links vorm Altarbereich.
Öffnungszeiten:  Sonntags vor dem Gottesdienst  ab 9:30 Uhr und danach bis ca. 12:00 Uhr, donnerstags nach der 9:00-Uhr-Messe“
Zitat aus: www.peter-paul-kirche.de

Auszüge über St. Antonius aus dem Buch:

Katholische Kirchengemeinde St. Antonius Babelsberg
Seit 1904 gab es einen katholischen Arbeiterverein, aus dem sich die Babelsberger Gemeinde entwickelte. 1906 wurde die Kapelle, gewidmet dem Heiligen Antonius von Padua, eingeweiht und ein Geistlicher angestellt. Formal er folgte die Gemeindegründung erst 1909. 1934 wurde die heutige Kirche eingeweiht. Besonderheiten: Der Kindergarten auf dem Gelände der Pfarrei wird 1923 von Marienschwestern gegründet: als „Tageskinderheim“. In Alt Nowawes gibt es eine katholische Schule, die … wird 1938 von den Nationalsozialisten geschlossen, die Kita kann nach dem Protest des Pfarrers erhalten bleiben. Die Gemeinde leidet insgesamt unter den Repressalien der Nazis, dennoch finden hier ab 1940 Gottesdienste für polnische Zwangsarbeiter statt. Während der DDR-Zeit genießt der katholische Kindergarten Bestandsschutz.
Kontakt: Plantagenstraße 23/24, 14482 Potsdam-Babelsberg. Telefon: (0331) 23 78 480,
E-Mail: Pfarrei@SanktAntonius.de,
www.SanktAntonius.de

Kleine Könige
Still ist es selten rund um die katholische Kirche Sankt Antonius in Babels berg. Die Kitakinder toben gerne draußen. Oder die Ministranten, die fürs Fußballturnier trainieren.

Von Steffi Pyance

Dieser Montag ist etwas Besonderes in der Wackelzahngruppe. Gleich drei Kinder hatten am Wochenende Geburtstag – jetzt wird nachgefeiert. Richard, Karla und Jannik sitzen auf roten Stühlen mit extra hohen Lehnen und tragen prächtige Papierkronen. Heute sind sie Könige. „Erzählt mal, wie euer Geburtstagmorgen war“, sagt Erzieherin Agnes Martin. Die 17 Kinder der großen Vorschulgruppe sind geduldig und hören zu. Auch angesichts der gedeckten Tafel – gleich wird es Leckereien von den Geburtstagskindern geben. Aber vorher wird noch gesungen: „Wer sich auf Gott verlässt, auf Gott den Herrn, der ist wie ein Baum am Wasser gepflanzt. So wird er gesegnet sein.“ In der katholischen Kita Sankt Antonius gehört Singen und Beten zum Alltag. „Wir erbitten Segen für die Geburtstagskinder“, sagt Agnes Martin zum Schluss: „Dass sie viel Freude erleben und viel Freude weitergeben.“

Im Pfarrhaus wohnt Christoph Karlson, 44 Jahre alt. Zum schwarzen Hemd mit weißem Kollar trägt er dunkle Jeans. … Dann bittet er ins Wohnzimmer mit Sitzgruppe und moderner Kunst an den Wänden. St. Antonius ist Karlsons erste Stelle als Gemeindepfarrer, obwohl er das genau genommen gar nicht ist. Potsdams zwei katholische Gemeinden, St. Peter und Paul und Antonius, befinden sich 2017 in der Fusionsphase. Der Propst  von St. Peter und Paul ist auch für Babelsberg zuständig, administrativ und als oberster Pfarrer Pfarrvikar Karlson betreut die Babelsberger direkt. Er ist zudem für St. Cacilia in Michendorf zuständig und Schulpfarrer in der katholischen Marienschule in Babelsberg Karlson pendelt zwischen Schulalltag und Gemeindepflichten, zwischen Gottesdiensten, Andachten, Taufen, Beerdigungen, Hausbesuchen und Jugendarbeit. Über das Himmelfahrtwochenende war er mit der Ministrantengruppe und der Mädchenschola – einem Chor – verreist.

Bevor Karlson nach Babelsberg kam, hatte er administrative oder akademische Stellen in der Kirche inne und arbeitete in der Priesterausbildung, zuletzt leitete er für sechs Jahre das Priesterseminar in Erfurt. In Potsdam gefällt es ihm, gerne würde er länger bleiben, aber das werden andere für ihn entscheiden. Studiert hat Karlson in Rom – das dürfen nur die Besten, sagt er, es sei eine große Ehre gewesen. Sein Akzent verrät eine ganz andere Herkunft. „Ick komm aus Berlin-Mitte“, sagt er und lacht herzlich. Im Wedding und in Zehlendorf hat er während seiner Jahre als Diakon gearbeitet. Wedding und Zehlendorf – danach könne man eigentlich alles.
… Gegründet wurde die Gemeinde 1906 als Arbeiterpfarrei. Wer im protestantischen Potsdam katholisch war, stammte in der Regel aus einer Arbeiter-Einwandererfamilie, Textil- oder Fabrikarbeiter aus dem katholischen Schlesien zum Beispiel. Bis 1906 fuhren die Babelsberger Katholiken noch nach Potsdam oder Wannsee zum Gottesdienst. Dann aber wurde im Karree zwischen Plantagen- und Turnstraße gebaut: ein Gemeindehaus für Verwaltung, Schwester und Pfarrer und im selben Gebäudetrakt ein Gottesdienstraum, mit Schmuckportal und Türmchen. Beides ist heute verschwunden. … 1934 wurde, nach nur einem dreiviertel Jahr Bauzeit, die Kirche geweiht. Architekt war Oberbaurat a. D. Wilhelm Fahlbusch aus Berlin-Dahlem, so steht es in einem Kirchenführer aus dem Jahr 1938. Weiter heißt es: im Stil eine moderne Kirche, außen „moderne Straffung“. Und innen? „Der Raum besitzt trotz seiner schlichten Einfachheit Überzeugungsstärke. Seine Atmosphäre redet und wirbt, sie ist warm.“ Das ist nachvollziehbar, man mag gern in der – noch immer modern anmutenden – Kirche sitzen. Es ist hell und freundlich. Als man baute, waren allerdings gerade die Nazis an die Macht ge kommen. 1942 wurde der Altarraum mit einem Mosaik nachgerüstet. ,,Macht, Weisheit, Reichtum, Kraft“ ist in der Apsis zu lesen – ein damals durchaus mutiges Statement, heißt es in einer aktuellen Kirchenbroschüre.
Mehr als 3000 Gemeindemitglieder gab es damals. Im DDR-roten Potsdam, so formuliert es Karlson, waren es Ende der 1980-er nur noch knapp 1300. Jetzt werden es wieder mehr, unter den Neuen sind viele Zuzügler aus dem Westen. Durchschnittlich 200 Gläubige besuchen den Sonntagsgottesdienst um 9 Uhr. Karlson findet das angesichts der Uhrzeit erstaunlich. Und dennoch könnte es sein, dass es irgendwann keinen Pfarrer mehr in Babelsberg gibt. Dass immer mehr Aufgaben von Laien und Ehrenamtlichen übernommen werden. Das sei grundsätzlich wünschenswert, aber es könne einen Pfarrer nicht ersetzen, findet Karlson. Neue Pfarrer müssen allerdings auch irgendwo herkommen: „Der Beruf ist nicht richtig attraktiv. Da tut sich auch nichts.“
Trotzdem ist St. Antonius eine wachsende, relativ junge Gemeinde. Es gibt viele Familien mit vielen Kindern. Die regelmäßigen Kinder-Flohmärkte sind eine Attraktion im Kiez. Die Ministranten treffen sich jeden Samstagvormittag, parallel die Mädchen zur Schola. Die reinen Jungen- und Mädchengruppen sind eine Babelsberger Spezialität. Antonius will beides sein, modern und konservativ. ,,Die Gemeinde ist katholisch mit Nachdruck“, beschreibt es der Pfarrer.
Nur mit der Kirchenmusik haben es die Katholiken nicht so. … Eine Konzerttradition gibt es nicht. Karlson bedauert das, aber trägt es mit Humor. „Brüllorgel“ nennt er es, wenn er in Andachten alleine singen muss. Statt Musik wird in Babelsberg lieber Fußball gespielt, einmal im Jahr findet sogar ein ökumenisches Fußballturnier statt. Die Ministranten trainieren dafür auf einer 1 A Fußballwiese – direkt neben der Kirche.