Verwaltungsleiter A. Martin

Kirche im Umbruch

Seit 1. September 2018 haben wir, die katholische Kirche im Großraum um Potsdam, mit den Gemeinden St. Peter und Paul in Potsdam, St, Antonius in Potsdam-Babelsberg, St. Cäcilia in Michendorf und die schon seit einigen Jahren von Potsdam mit verwaltete Gemeinde  Maria Meeresstern in Werder, einen neuen Propst, Herrn Pfarrer Dr. Arnd Franke.  Damit wurde der Weg frei zur  Umstrukturierung dieser Pfarreien durch das Großprojekt des Erzbistums Berlin „Wo Glauben Raum gewinnt“.  Erzbischof Dr. Heiner Koch legte den Start für die Entwicklungsphase  des Pastoralen Raumes auf den 1. April 2019. Im Dezember 2018 verabschiedete sich die Pfarrsekretärin aus Potsdam in den Ruhestand, Michendorf ist schon länger ohne Büroangestellte und in Babelsberg steht der Abschied für Jahresmitte 2019 an. So beginnt sukzessive der Neustart: Zunächst bekommen wir einen Verwaltungsleiter. Propst Franke stellte ihn in der Kirchenvorstandssitzung vor: Andrè Martin, ein Mitglied unserer Babelsberger Gemeinde. Er berichtet über sich:

Ab dem 1. Februar 2019 übernehme ich die Stelle des Verwaltungsleiters im pastoralen Raum Potsdam/Michendorf. Seit über vier Jahren bekleide ich diese Stelle bereits in Berlin-Reinickendorf in der Pfarrei St. Franziskus. Der Stellenumfang beträgt 50%, und ich werde im ersten Halbjahr vor allem am Dienstag und am Mittwoch anzutreffen sein. Mein Büro ist im Moment Am Bassin 1. Im Laufe der Entwicklungsphase wird eine Entscheidung getroffen werden, wo die gesamte Verwaltung mit Pfarreisekretariat, Verwaltungsfachkraft und Verwaltungsleitung angesiedelt sein wird.

Mein persönlicher Werdegang beginnt damit, dass ich 1966 in Potsdam-Babelsberg geboren wurde, dort zur Schule gegangen bin und eine Ausbildung zum Elektroinstallateur absolviert habe. Anschließend habe ich im Magdeburger Norbertinum das Abitur nachgeholt und dann drei Jahre Theologie in Erfurt und Wien studiert. Nach Auslandsaufenthalten in Italien und im Kamerun habe ich an der Freien Universität Berlin Jura studiert. Fast am Ende des Studiums bin ich in eine Beratungsfirma eingetreten, die in den Feldern Partizipation und gesellschaftlicher Wandel tätig war und ist. Unterbrochen wurde diese Arbeit von einem zweijährigen Intermezzo bei den Maltesern in Potsdam. Dort habe ich den Treffpunkt Freizeit und weitere Malteserdienste, wie Hausnotruf, Erste-Hilfe-Ausbildung, Rettungswache und ambulanter Hospizdienst, geleitet. 2014 bin ich im Erzbistum Berlin mit der Koordination und Konzeption der Verwaltungsleitungen beauftragt worden. Gleichzeitig habe ich den pastoralen Raum Reinickendorf-Nord als Verwaltungsleiter in die Pfarrei St. Franziskus überführt. Ich lebe mit meiner Frau und vier Kindern in der Siedlung Schäferfichten im Süden von Potsdam.

Jetzt freue ich mich auf meine neue Aufgabe und hoffe, dass ich das Seelsorgepersonal von Verwaltungsaufgaben entlasten und im Hintergrund einen kleinen Beitrag dazu leisten kann, dass die Menschen in unserer Gegend mit Gott in Berührung kommen.

Was sind die Aufgaben der Verwaltungsentlastung zur Stärkung der Pastoralen Arbeit im Großprojekt des Erzbistums Berlin „Wo Glaube Raum gewinnt“?

Grundidee Verwaltungsentlastung

Im Prozess „Wo Glauben Raum gewinnt“ geht es um eine Stärkung des Glaubens und der damit auch verbundenen notwendigen Veränderung der Rahmenbedingungen.
Ein wesentlicher Aspekt ist die Entlastung insbesondere der Seelsorger und Unterstützung der Kirchenvorstände in ihrer Arbeit. Die Entlastung startet nicht erst mit der Gründung der neuen Pfarrei, sondern bereits ab dem Beginn der jeweiligen dreijährigen Entwicklungsphase des Pastoralen Raumes. Unter Beibehaltung
aller bisheriger Mittel für das technische Personal werden dem Pastoralen Raum zusätzliches Personal und weitere Entlastungsmodule durch das Erzbischöfliche Ordinariat zur Verfügung gestellt, damit für die Pastorale Arbeit und ihre Herausforderungen zukünftig wieder mehr Kraft zur Verfügung steht.

Entlastungsmodule

• Verwaltungsleitung
Jeder Pastorale Raum erhält mit dem Start der Entwicklungsphase anteilig einen Verwaltungsleiter/in (der Stellenanteil ist vom jeweiligen Pastoralen Raum abhängig).
Der/die Verwaltungsleiter/in ist Teil eines erweiterten Pastoralteams und führt die Geschäfte im Auftrag des Kirchenvorstandes und des Pfarrers. Verwaltung ist immer
Teil der Gesamtaufgabe der Pfarrei und dient dem Auftrag von Kirche vor Ort. Die Verwaltungsleitung sorgt dafür, dass Gemeinde und Seelsorger ihren Dienst am Menschen gut erfüllen können. Dabei nimmt sie auch Leitungsverantwortung gegenüber dem nichtpastoralen Personal wahr und entlastet den Pfarrer.

• Verwaltungsfachkraft
Am Ende des 2. Jahres der Entwicklungsphase erhält jeder Pastorale Raum eine Verwaltungsfachkraft mit 50% Stellenumfang. Die Verwaltungsfachkraft unterstützt
die Verwaltungsleitung bei ihren Aufgaben.

• Unterstützung der Seelsorger als Leiter der Entwicklungsphase
Für den Zeitraum der Entwicklungsphase erhält der Seelsorger, der mit der Leitung des Pastoralen Raumes während der Entwicklungsphase beauftragt ist, eine Hilfe im Rahmen
einer 450-€-Stelle (geringfügiges Beschäftigungsverhältnis) zu seiner konkreten Unterstützung für die Prozessaufgaben. Diese Stelle ist auf die Entwicklungsphase begrenzt!

• Wirtschaftlichkeitsanalyse
Die Beratungsfirma D:4 (Büro für Kirche und Kultur) erarbeitet für alle Pfarreien des Erzbistums eine Wirtschaftlichkeitsanalyse, um eine gemeinsame Grundlage zu schaffen für die weiteren Planungen. Ziel ist der Aufbau einer wirtschaftlich gesunden Pfarrei mit ihren Gemeinden auf der Grundlage des zu erarbeitenden Pastoralkonzepts im 2. Jahr der Entwicklungsphase.

Dazu gibt es einen dreistufigen Begleitprozess im Rahmen der Entwicklungsphase:

1. Analyse der einzelnen Pfarreien
2. Zusammenfassung und Blick nach vorn, bezogen auf den gesamten Pastoralen Raum
3. Workshop im 3. Jahr der Entwicklungsphase mit dem Ziel gemeinsamer Vereinbarungen für die zukünftige Pfarrei (mit Beteiligung EBO)

• Neue Buchhaltung
Mit dem Start der neuen Pfarrei (nach der Entwicklungsphase) wird auf die Doppelte Buchführung umgestellt. Damit können Vermögenswerte sowie der Ressourcenverbrauch und der Aufwand zur Erhaltung des Vermögens systematisch und transparent abgebildet und gesteuert werden. Die heutige KiFiBu (Kirchliche Finanzbuchhaltung) und das bisherige Rendantensystem enden mit der Bildung der neuen Pfarrei nach der jeweiligen Entwicklungsphase.
Die Buchungen werden zukünftig in einer zentralen Rendantur im EBO vorgenommen.
Die vermögensrechtliche Selbstständigkeit der neuen Pfarrei sowie die Verantwortung für die Vermögensverwaltung bei den Kirchenvorständen bleiben vollkommen erhalten.
Für die Rechnungserfassung, Kontrolle und Freigabe ist die Verwaltungsleitung mit Unterstützung der Verwaltungsfachkraft vor Ort verantwortlich.

• Zentralbüros und vereinfachte Beschaffung
Jeder Pastorale Raum erhält mit der Gründung der neuen Pfarrei ein sogenanntes Zentralbüro. Die Ausstattung (Hardware, Software) stellt das EBO zur Verfügung und wird bistumsweit vereinheitlicht.
Die Arbeitsweise des Zentralbüros wird im Rahmen des 3. Jahres der Entwicklungsphase in den Pastoralen Räumen abgestimmt und festgelegt (z.B. Welche weiteren Büros gibt es? Was kann wo getan werden? Wie sind die Arbeitsabläufe? …)
Eine Neugestaltung des Beschaffungssystems und eine Standardisierung von Verträgen, Lizenzen und Dienstleistungen sollen zur Zeit- und Kostenersparnis beitragen.

• EBO als Dienstleister
Die Verwaltungsabläufe im EBO werden systematisch in den Blick genommen und vereinfachende und standardisierte Lösungen erarbeitet. Das EBO fungiert als Dienstleister für die Pfarreien. Bei der Konzeption arbeiten die Verwaltungsleiter/innen mit den Verwaltungsstellen des EBO eng zusammen.

• Neuordnung der Kita-Trägerschaft
Während die Kitas als Orte kirchlichen Lebens im Pastoralen Raum an Bedeutung gewinnen und die pastoralen Beziehungen gestärkt werden müssen, stellt sich, aufgrund der Herausforderungen
(Personal, Finanzen, Bau), die Frage nach einem neuen Trägerschaftsmodell, das die ehrenamtlichen Kirchenvorstände und Seelsorger entlastet. Es werden verschiedene Modelle geprüft, wobei die Pfarreien, das EBO und die Caritas die Akteure in der neuen Trägerschaft bleiben werden.